Aktuelle Nachrichten 01. – 15. Oktober 2018

Presseschau 01. – 15. Oktober 2018

Schule, Bildung, Referendariat

In unserer Serie „Aktuelle Nachrichten – News für Lehrer und Referendare“ fassen wir für Sie alle zwei Wochen die interessantesten Neuigkeiten aus dem Netz zusammen.

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Lehrer in Berlin viel öfter dienstunfähig

Die Süddeutsche Zeitung weist auf erschreckende Zahlen aus dem Bundesland Berlin hin. So hätten dort vielfach mehr Lehrkräfte den Schuldienst gekündigt, als noch vor Jahren. Außerdem hätten 612 Lehrer im Schuljahr 2017/2018  in Berlin ihren Dienst wegen Dienstunfähigkeit beenden müssen – ein bundesweiter Rekord und mehr als doppelt so oft wie im Vergleichszeitraum 2004/2005. Der Artikel versucht herauszuarbeiten, was in Berlin zu solchen Zahlen geführt hat. Zum einen ist in Berlin die Arbeitslast besonders hoch, zum anderen treten in Berlin im Vergleich zu anderen Bundesländern wesentlich mehr soziale Probleme zu Tage. Ursprung der Erhebung war eine Anfrage einer CDU-Abgeordneten an die Berliner Landesregierung.

Lehrermangel: Keine Anzeichen für Entspannung in Zukunft

Der aktuelle Mangel an ausgebildeten Lehrkräften ist bekannt und wurde häufig diskutiert. Doch wie sind die Aussichten für die Zukunft? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Deutschlandfunk in einer Analyse. Anlass war eine Prognose der Kultusminister der Länder. Um einen Lehrermangel künftig zu verhindern, müssten bis 2030 insgesamt 32.000 neue Lehrkräfte eingestellt werden. Dies sei kaum realisierbar, weshalb die Kultusminister bereits jetzt eine Unterdeckung von 700 Stellen jährlich prognostizieren. Besonders hart wären dabei die neuen Bundesländer von dieser Entwicklung betroffen. Genannt wird zum Beispiel Sachen-Anhalt, wo die Unterdeckung erschreckende 50 Prozent beträgt. Der Artikel geht ausführlich auf die Gründe dieser Entwicklung ein. So seien unter anderem – obwohl die Entwicklung seit Jahren bekannt ist – stetig Lehramts-Studienplätze abgebaut worden.

Kopfgeld für Lehramtsstudenten

Mit ungewöhnlichen Mitteln will Berlin künftig um Lehrkräfte für die raren MINT-Fächer buhlen. Wie rbb24 berichtet, möchte das Bundesland künftig jährlich 100 Stipendien vergeben, die mit jeweils mit 500 Euro dotiert sind. Gezahlt werden soll die Prämie für die Dauer des Studiums. Voraussetzung wird sein, dass Studierende der MINT-Fächer als Quereinsteiger einen Master of Education anstreben. Außerdem müssten sich die Absolventen verpflichten, mindestens drei Jahre im Land Berlin als Lehrkraft tätig zu sein. Bei Vertragsbruch wird die Rückzahlung der Förderung drohen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres möchte mit dieser Maßnahme dem “Fachkräftemangel in besonderen Bedarfsfächern im Lehramt lindern”.

Traumberuf Lehrer – unter allen Umständen

Eine erfrischend andere Perspektive zum Thema Personalmangel stellt T-Online dar. Überschrieben mit dem Titel “Lehrermangel – ja, aufgeben – nein!” kommt eine Lehrkraft zu Wort und berichtet von ihrem ungewöhnlichen Weg zur ihrer derzeitigen Position. Ursprünglich auf Gymnasiallehramt ausgerichtet, fand sie nun aufgrund persönlicher Gründe ihren Platz in einer Sonderschule in einem Problembezirk. Dort unterrichtet sie fachfremd, muss nicht nur lehren sondern auch erziehen, und fühlt sich oft wie eine Sozialarbeiterin. Oft bereitet sie bis Mitternacht Materialien vor. Doch trotz allem scheint die Autorin überzeugt, ihren Traumjob gefunden zu haben und hofft darauf, dass sich die Lage künftig etwas entspannt. 

AfD-Meldeportal für Lehrer stark kritisiert

Der MDR berichtet von weiteren Meldeplattformen, die von der Alternative für Deutschland ins Leben gerufen wurden. Nachdem zunächst der Landesverband Hamburg dazu aufrief, Schulen per Formular zu melden, die sich kritisch über die AfD äußern und somit – nach Aussage der Partei – gegen das Neutralitätsgebot verstoßen, ziehen nun weitere Landesverbände nach. Der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Räpple geht nun sogar einen Schritt weiter und möchte sogar Namen von Lehrern und Professoren veröffentlichen. Kritik gegen diese Vorgehen kommt nun von den Bildungsministern der Ländern, sowie dem Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz. Baden-württembergische Kultusministerin Eisenmann sieht einen “Griff in den Instrumentenkasten autoritärer Systeme”. Die Schulministerin Nordrhein-Westfalens, Yvonne Gebauer, sieht sich durch die Bespitzelung und Denunziation gar an die dunkelsten Kapitel zweier deutscher Diktaturen erinnert.

Seltsame Vorgänge an Berliner Vorzeige-Schule

Die Geschichte der Johanna-Eck-Schule, ehemals nominiert für den Deutschen Schulpreis, klingt zu unglaublich um wahr zu sein: Nur zufällig entdeckte die neue Schuldirektorin bei Amtsübernahme dort einen Wandtresor. Soweit so gewöhnlich, wäre da nicht der Inhalt: Briefumschläge voller Geld. Außerdem wurde ein Konto mit unbekannten Einzahlern entdeckt. Insgesamt 33.000 Euro kamen so zusammen, die nicht zugeordnet werden konnten. Doch noch weiteres ist ungewöhnlich, wie der Deutschlandfunk berichtet. Die Schule bekam – durch falsche Angabe der Schülerzahl – mehr Personal und Ressourcen zugewiesen, als ihr zugestanden hätte. Außerdem wurden mehrere Vorwürfe der Diskriminierung laut. Zu den erklärungsbedürftigen Zuständen an der Schule möchte sich von den Betroffenen niemand äußeren: Die Direktorin und alle befragten Lehrer schweigen zu den Hintergründen. Die Vorsitzende des Tempelhofer Schulausschusses sieht damit das Unvermögen der Berliner Schulverwaltung erneut belegt. Der Bericht über die seltsamen Verhältnisse der Johanna-Eck-Schule liegt auch als Hörfunkbeitrag vor.