Aktuelle Nachrichten 16. – 30. November

Schule, Bildung, Referendariat

In unserer Serie „Aktuelle Nachrichten – News für Lehrer und Referendare“ fassen wir für Sie alle zwei Wochen die interessantesten Neuigkeiten aus dem Netz zusammen.

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Warum in Ostdeutschland Frauen besser in Mathe sind

Fazit, das Wirtschaftsblog der Frankfurter Allgemeine Zeitung, untersucht die Frage geschlechtsspezifischer Präferenzen bei der Studienwahl. Weibliche Studierende seien vor allem in Studiengängen wie Pädagogik und Psychologie überdurchschnittlich vertreten. Männliche Hochschüler seien dagegen eher in technischen, mathematiknahen Studiengängen häufig zu finden. Diese Tendenzen hätten im Berufsleben unterschiedliche Einkommen zur Folge – trotz gleichartiger Bildungsabschlüsse. Entgegen den Vermutungen mancher Experten sei die Wahl des Studienfachs nicht unterschiedlicher Begabungen der Geschlechter geschuldet. Vielmehr sei unter anderem die Frauenerwerbsquote des Landes maßgebend. Als Beispiel wird die ehemalige DDR genannt. Die hohe Beschäftigungsquote der Frauen dort hätten zu einer nachweislich besseren Leistung in naturwissenschaftlichen Studienfächern geführt.

AfD-Denuziationsportal illegal

Das Meldeportal der sogenannten Alternative für Deutschland ist illegal. Zu diesem Ergebnis kommen Juristen des Landtags Sachsen Anhalt in einem Gutachten. Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, verstoße die Plattform gegen geltende Datenschutzbestimmungen. Auf der Seite sollten Lehrer gemeldet werden, die nach Ansicht der Partei gegen das Neutralitätsgebot verstoßen hätten. Entsprechende Fälle sollten dann mit Schulleitung und sogar im Parlament besprochen werden. Nach Angabe der Partei seien etwa 1.000 Meldungen eingegangen. Nur 15 dieser Mitteilungen seien jedoch überhaupt ernst zu nehmen. Während Abgeordnete der AfD die juristische Unbedenklichkeit beteuerten, sahen sich Vertreter der restlichen Parteien nach Bekanntgabe des Gutachtens in ihrer Ablehnung bestärkt.

Digitalpakt: Geplante Grundgesetzänderung stößt auf Skepsis

In einem Hintergrund setzt sich der Tagesspiegel mit dem vom Bundestag verabschiedeten Digitalpakt auseinander. Bedingung des 5,5 Milliarden schweren Investitionsprogramms sei eine Änderung des Grundgesetzes, die auf Bundesebene beschlossen worden sei. Um die Abänderung in der Verfassung zu erreichen, sei die Zustimmung im Bundesrat erforderlich. Dort wolle der grüne, baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann jedoch opponieren und eine möglichst breite Ablehnung organisieren. Kretschmann sehe durch die Änderung die bisherige Bildungshoheit der Länder bedroht. Das Kooperationsverbot solle nämlich gelockert werden. So dürfe der Bund künftig Stellen an Schulen mitfinanzieren. Kritiker der Reform befürchten dadurch, der Bund könne sich so Mitsprache- und Lenkungskompetenz durch die Hintertür erkaufen. Eine Verzögerung der Änderung hätte jedoch auch eine Blockierung der Freigabe der Mittel des lange ersehnten Digitalpakts zur Folge.

Durchdachte Architektur unterstützt Bildung

Wie kann die Schule der Zukunft aussehen? Und wie kann die Architektur die Pädagogik unterstützen? Diesen und weiteren Fragen geht die erste Schulbaumesse in Frankfurt auf den Grund. Darüber berichtet die Frankfurter Rundschau. Da sich die Gesellschaft und pädagogischen Konzepte geändert hätten, seien Frontalunterricht und Flure nicht mehr zeitgemäß, so der Präsident der Architekten- und Stadtplanerkammer in Hessen. Auf der Messe sei in unzähligen Diskussionen und Vorträgen erkennbar, dass sich Schüler Wissen künftig anders aneignen als bisher. Dazu gehöre eine Neuorganisation des Lernens – und diese setze neu durchdachte Räumlichkeiten voraus. Mehr als 60 Aussteller präsentieren Produkte, die beim Bau künftiger Schulen von Interesse sind – seien es Akustikdecken oder die Möblierung ganzer Lernlandschaften.

Privatschulen fürchten staatliche Maßnahmen gegen Lehrermangel

Der Lehrermangel in Deutschland führt zu drastischen Entwicklungen, wie Spiegel Online berichtet. Während einzelne Bundesländer, darunter Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Berlin neue Lehrkräfte mit kräftigen Zuschüssen lockten, gingen Privatschulen dieser Regionen häufig leer aus und zögen im Wettbewerb um neues Personal häufig den kürzeren. Im Gegensatz zu staatlichen Einrichtungen könnten die aufgrund der Finanzierungslage keine Zuschüsse zahlen. Einige privaten Schulen würden wegen dieser Entwicklungen bereits um ihre Existenz fürchten und mahnten eine Gleichbehandlung an. Andernfalls würden Lehrkräfte massenhaft abwandern. Dünnbesiedelte Regionen, in denen Privatschulen oft eine willkommene Alternative darstellten, hätten dann ein ernstes Problem. Besonders gravierend seien die Einkommensunterschiede in Sachsen. Das dortige Verbeamtungsprogramm hätte weitreichende Gehaltsunterschiede von bis zu 1.000 Euro im Monat zur Folge. Massive Abwanderungen von Lehrern seien damit vorprogrammiert.

Geflüchtete: Breites Lob für Integration ins Bildungssystem

Für manche überraschend kam das ausdrückliche Lob es UNESCO-Weltbildungsberichts für die Integration von Flüchtlingen in das deutsche Bildungssystem. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sieht Ulrich Kober, Direktor der Bertelsmann-Stiftung, dahingehend ebenfalls eine positive Entwicklung. Im Vergleich zu anderen Ländern hätten in Deutschland Geflüchtete weit bessere Chancen auf Integration durch Bildung. Aller Unkenrufen zum Trotz hätte das Land großartige Arbeit geleistet. Nicht zuletzt Initiativen der Zivilgesellschaft hätten zu diesem Erfolg beitragen. Der Vorwurf, deutsche Kinder seien durch Integrationsbemühungen gebremst, wäre dagegen nicht haltbar. Als Schlüssel der Bildung sieht Kober weiterhin die Sprache. Damit könnten Geflüchtete in der Gesellschaft ankommen und besser hiesige Werte erlernen. Grundsätzlich könne jeder Mensch, unabhängig der Herkunft, eine neue Sprache lernen. Das ausführliche Gespräch liegt in Textform oder als Audiodatei vor.

Schulinspektionen im Wandel

ZEIT Online berichtet vom Instrument der Schulinspektionen. 2005 wurde die individuelle Untersuchung einzelner Schulen als Reaktion des katastrophalen Abschneidens Deutschlands bei der Pisa-Studie eingeführt. Dafür würden spezielle Lehrkräfte Daten und Dokumente der Schulen sichten, den Unterricht begleiten und Schüler und Lehrer interviewen. Ergebnis sei dann ein ausführlicher Bericht mit Maßnahmen zur Verbesserung. Ob diese Untersuchung dann letztendlich zu einer Besserung der Schulqualität führe, sei oft jedoch nicht nachweisbar. Andererseits wäre eine schriftliche Forderung nach Maßnahmen hilfreich bei der Bitte um Unterstützung. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre befände sich das Konzept der Schulevaluierung in einigen Bundesländern aktuell auf dem Prüfstand. So sei in vielen Ländern der Fokus der Untersuchung neu ausgerichtet worden. Alternativ schlagen Bildungsforscher interne Begutachtungen vor. Jedoch würde es dafür derzeit oft an Zeit und Kompetenz fehlen.