Aktuelle Nachrichten 01. – 15. August 2018

News für Lehrer und Referendare
News für Lehrer und Referendare

Presseschau 01. – 15. August 2018

Schule, Bildung und Referendariat

In unserer Serie „Aktuelle Nachrichten – News für Lehrer und Referendare“ fassen wir für Sie alle zwei Wochen die interessantesten Neuigkeiten aus dem Netz zusammen.

Ihnen fehlt ein Artikel? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an: christian@info-beihilfe.de

Lehrermangel immer dramatischer

In einem ausführlichen Hintergrund beleuchtet die Tagesschau den bestehenden Lehrermangel in Deutschland. So fehlten vor allem an Grund-/ Haupt-/ und Förderschulen massiv Lehrkräfte. Aufgrund steigender Geburtenzahlen und der Zuwanderung würde die Zahl der Schüler bis 2030 bundesweit um 278.000 auf 11,2 Millionen ansteigen. Die Auswirkungen des Lehrermangels seien schon jetzt dramatisch: Es kommt zu Unterrichtsausfall und größeren Klassen. Mehrere Politiker fordern deshalb bereits Sofortmaßnahmen, um der dramatischen Situation entgegenzuwirken. Einige Bundesländer haben deswegen auch die Zahl der Seiteneinsteiger, ohne pädagogische Ausbildung, erhöht.

Einer für alle? Einheitslehrer-Vorschlag sorgt für Diskussionen

Im Zuge der Debatte um den Lehrermangel meldete sich auch Helmut Holter zu Wort. Als Bildungsminister Thüringens und Präsident der Kultusministerkonferenz schlug er vor, Lehrer künftig nicht mehr getrennt nach Schularten auszubilden. Dieser Vorschlag schlug hohe Wellen, wie Der Spiegel berichtet. So sind es vor allem Unionspolitiker, die sich gegen den Vorschlag und für eine schulspezifische Lehrerausbildung aussprechen. Positiv aufgenommen wurde die Anregung dagegen von Teilen der Lehrervertreter und Politikern der sozialdemokratischen Partei. Bereits jetzt gäbe es große Schnittmengen bei den Lehrplänen der Gymnasien und integrierten Gesamtschulen, so Hamburgs Schulsenator Ties Rabe. Er kündigte an, dass Hamburg für alle allgemeinen Schulen künftig nur noch Gymnasiallehrkräfte und Grundschullehrkräfte ausbilden werde.

Handy in der Schule: Ja oder nein?

Der Weser Kurier greift das Dauerthema Handynutzung in einer Gegenüberstellung auf. Die Frage, ob an Schulen Handys erlaubt sein sollten, ist nicht einfach zu beantworten. Die Gegenargumente liegen auf der Hand: Wissen ist nicht leicht zu vermitteln, wenn die Schüler durch ständigen Handykonsum abgelenkt sind. Auch der Wunsch der Eltern mittels Mobiltelefon das Treiben ihrer Sprösslinge zu überwachen, wiegt nicht so schwer wie die gesundheitlichen Folgen einer Dauererreichbarkeit. Befürworter einer Nutzung auf dem Schulgelände führen dagegen an, dass das Smartphone bei der Wissensvermittlung eine wichtige Rolle spiele. Wo früher ein Buch zu Hand genommen worden wäre, sei nun eben das Handy im Einsatz. Die Schule könne dabei behilflich sein, die Bewertung von Quellen und den kritischen Umgang mit dem Smartphone zu erlernen.

Brennpunkt-Zulage in Berlin kommt

Die Berliner Zeitung berichtet online über die Pläne einer Brennpunkt-Zulage an Berliner Schulen. So habe sich die rot-rot-grüne Koalition im Berliner Senat bereits auf eine entsprechende Regelung geeinigt. Die Voraussetzung für den Bezug dieser Zulage in Höhe von monatlich 300,00 EUR ist gekoppelt an die jeweilige Schule. Die Zulage wird gezahlt, wenn an der entsprechenden Schule mehr als 80 Prozent der Schüler lernmittelbefreit sind. Auch wenn es bekannt ist, dass in der Bundeshauptstadt viele Personen auf Sozialtransfers angewiesen sind, so überrascht doch die hohe Anzahl an Schulen, auf die diese Regelung zutreffen würde: Gut 50 von 700 Berliner Schulen kämen demnach für die Zulage in Betracht. Nutznießer wären dann 2.000 von 30.000 Lehrkräften in Berlin, die für ihren Mehraufwand an schwierigen Schulen belohnt werden würden. Ob die Regelungen auch auf Schulen in anderen Bundesländern angewandt werden, bleibt abzuwarten.

Schüler wollen mehr Mitsprache – und mehr Geld

Die Süddeutsche Zeitung interviewt den 21-jährigen Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Hannes Leiteritz. Dabei beklagt Leiteritz mangelnde Möglichkeiten der Mitsprache für Schüler. Problematisch wäre dabei nicht die fehlende Einbindung auf Landesebene, sondern direkt bei den Schulen vor Ort und auch gar auf Bundesebene, was vor allem am föderalen System läge. Bei den großen, aktuellen Themen, wie dem Umgang mit Handys an Schulen oder der Einführung eines flächendeckenden Informatikunterrichts, hätten die Schüler sehr viel beizutragen. Erklärtes Ziel sei es, sich künftig bei Fragen zu Bildungsthemen mittels eines Expertengremiums bei der Kultusministerkonferenz Gehör zu verschaffen. Der Schülervertreter wünscht sich außerdem eine großzügigere finanzielle Unterstützung seitens der Kultusministerkonferenz.

Sanierungsstau bei Schulgebäuden: Bundesweit fehlen knapp 50 Milliarden Euro

Dem Sanierungsstau an Schulen widmet sich ein Hintergrundartikel des ZDF. Nicht erst nach Ende der Sommerpause käme vielerorts ein enormer Sanierungsbedarf zum Vorschein. Berichte über stark renovierungsbedürftige Schulgebäude seien an der Tagesordnung. Aufgrund von Sparmaßnahmen in den Vorjahren, würden die Schulen einen riesigen Sanierungsstau vor sich herschieben. In Zahlen ausgedrückt, die kürzlich die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ermittelte, betrüge der Investitionsrückstand mittlerweile knapp 50 Milliarden Euro. Viele Schulen seien in einem sehr desolaten Zustand. In diesem Zusammenhang spricht der Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes im Zusammenhang mit Schulgebäuden bereits von „Baracken der Bildung“.

Studie über Mediennutzung von Heranwachsenden gibt teilweise Entwarnung

Mit den Ergebnissen der sogenannten Kinder-Medien-Studie 2018 beschäftigt sich die Frankfurter Rundschau. Die von mehreren Medienhäusern initiierte Studie gibt einen umfangreichen Einblick in die Mediennutzung Heranwachsender. Dafür wurden mehr als 3.000 Kinder und Erziehungsberechtigte interviewt. Entgegen der Erwartungen treiben Kinder zwischen vier und dreizehn Jahren aber immer noch am liebsten Sport, treffen sich mit Freunden und verbringen Zeit im Freien. Das Interesse an digitalen Medien nähme erst mit zunehmendem Alter zu. Übermäßige Nutzung digitaler Angebote von Erwachsenen sehen die Kinder dabei selbst sehr kritisch: Zitiert wird unter anderem ein sechsjähriges Kind, das das Internet „doof“ findet, da „Papa da stundenlang drin sitzt und nicht mit uns redet“.


Archiv 2018:

Die News für Lehrer und Referendare vom 16. – 31. Juli 2018

Von der Brennpunktschule zur Vorzeigeschule

In einer spannenden Hintergrundreportage beleuchtet ZEIT Online die Entwicklung der Karlsgartenschule, im Berliner Stadtteil Neukölln. Vergleichbar mit der in der Öffentlichkeit bekannten Rütlischule, war die Anstalt zunächst viele Jahre als sogenannte Problemschule bekannt. Eine klassenübergreifende Elterninitiative führte im Laufe der Jahre jedoch zu zahlreichen Verbesserungen und machte die Schule wieder über alle sozialen Schichten hinweg attraktiv. Offenbar mit Erfolg: Die ehemalige Brennpunktschule ist mittlerweile so beliebt, dass die Eltern Schlange stehen, um einen begehrten Platz für ihre Schützlinge zu ergattern.

Gute Noten durch gute Gene?

Das Onlineangebot der populärwissenschaftlichen Zeitschrift Bild der Wissenschaft beschäftigt sich mit der heiklen Frage, inwieweit Gene Einfluss auf unseren Bildungserfolg haben. Dazu wird eine aktuelle Studie der Universität Minnesota beschrieben, die den Zusammenhang der Erbanlagen, mit dem erreichten Bildungsabschluss der Probanden, untersuchte. Die Studie konnte einen ähnlich großen Einfluss der Gene nachweisen, wie es bei den Einkommensverhältnissen oder dem Bildungsstand der Eltern der Fall ist. Das Erbgut ist nicht alleinig für den schulischen Erfolg verantwortlich, unterstreicht der Genetiker Markus Nöthen vom Universitätsklinikum Bonn.

Zu Unrecht auf Förderschule – Schadenersatz

Der Spiegel berichtet von einem spektakulären Urteil des Landgerichts Köln. Verhandelt wurde der Fall eines 21-jährigen, dem nach einem Umzug innerhalb Deutschlands der Wechsel von einer Förderschule nicht gestattet wurde. Obwohl seine Lehrer mehrmals um einen Wechsel auf eine reguläre Schule baten, blieb dieser Wunsch seitens des Landes Nordrhein-Westfalen unberücksichtigt. Ein klarer Rechtsbruch, befanden die Richter – und sprachen dem Antragsteller einen Anspruch auf Schadenersatz zu. Über die Höhe der Zahlung wird allerdings gesondert verhandelt. Außerdem wurde das Land aufgefordert, seine Förderschulen auf weitere solcher Fälle hin zu überprüfen.

Lehrer werden ist nicht schwer, Lehrer sein dagegen…

Das Nachwuchsmagazin der ZEIT ze.tt wartet mit mehreren unterhaltsamen Geschichten aus dem Berufsalltag von Lehrern auf. In mehreren, teils sehr persönlichen Geschichten, werden interessante Einblicke aus Sicht der Lehrkräfte geboten. Die Themen reichen vom Referendariat, über eine launige Betrachtung von Klassenfahrten, bis hin zu den lustigen Seiten des Lehrerdaseins. Ein launiger Blick auf die Sonnen-/ und Schattenseiten des Schullebens, in dem sich sicher viele Lehrer wiedererkennen.

Brauchen wir ein Schulfach ‘Wirtschaft’?

In einem Interview mit der Wirtschaftswoche plädiert der Bildungsökonom Dirk Loerwald für die einheitliche Einführung eines Schulfaches ‘Wirtschaft’, wie es bereits in Bayern und Baden-Württemberg der Fall ist. Dabei spiele auch die Qualität der Schulbücher eine entscheidende Rolle. Durch die Verwendung von nicht einheitlichen Unterrichtsmaterialien würde oft ein falsches Bild der Wirtschaft gezeichnet. Der lange Prozess bei der Entwicklung eines zeitgemäßen Fachbuches könnte künftig durch die Einführung digitaler Schulbücher entfallen. Den Vorwurf, Befürworter des Schulfachs Wirtschaft seien Knechte des Neoliberalismus, sieht Loerwald hingegen nicht bestätigt.

Deutschland nach dem PISA-Schock

In einem ausführlichen Hintergrundgespräch mit dem Bildungsforscher Ludger Wößmann fragt Deutschlandfunk Kultur nach den Auswirkungen nach dem katastrophalen Abschneiden der PISA-Studie zur Jahrtausendwende. Ludger Wößmann gewährt einen breiten Überblick über die danach getroffenen Maßnahmen und vergleicht das deutsche Schulsystem mit anderen OECD-Staaten. Trotz aller Ungereimtheiten bleibt Wößmann optimistisch, dass Deutschland die anstehende Aufgaben im Bildungsbereich bewältigen wird. Das halbstündige Gespräch kann auf den Seiten des Deutschlandfunks nachgehört werden. Alternativ liegt eine Abschrift des Interviews vor.

Lehrer als Opfer

Dem alarmierenden Thema der physischen und psychischen Gewalt gegen Lehrer widmet sich die Frankfurter Rundschau. Der Leiter der Lehrergewerkschaft Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sieht darin in erster Linie ein Versagen der Gesellschaft und fordert Unterstützung seitens der Politik. Die Zahlen der von der Gewerkschaft in Auftrag gegebenen Studie zu diesem Thema sind erschreckend: Jede vierte Schule sei demnach in den letzten fünf Jahren Opfer körperlicher Gewalt geworden, bei den psychischen Angriffen gegenüber Lehrern sogar jede zweite Schule. Die Fälle schwerer, körperlicher Gewalt seien in einer Berliner Auswertung zwischen 2012 und 2016 um 69 Prozent gestiegen. Der Kriminologe Christian Pfeiffer gibt jedoch auch zu bedenken, dass die drastischen Zahlen auch mit einem geänderten Anzeigeverhalten zusammenhängen könnten.