Hyperaktive Schüler im Unterricht -Tipps für Lehrer

Lehrer-Tipps für den Umgang mit ADHS im Unterricht

Schüler mit einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom stellen Lehrer im Unterricht vor große Herausforderungen.

Das Störungsbild ADHS wird in die drei Leitsymptome: Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität unterteilt.

Diese Symptome äußern sich in mangelnder Reizverarbeitung, Zappeligkeit, Ungeduld, Aggressivität und eine geringe Frustrationstoleranz. Im Unterricht fallen diejenigen Schüler auf, die von Hyperaktivität betroffen sind. Schüler, die zu den ADS-Träumerchen gehören, sind eher unauffällig und oft nicht diagnostiziert.

Hyperaktivität drückt sich im Unterricht durch ständiges Reinreden, Schwätzen oder Beschäftigen mit anderweitigen Dingen, Unverschämtheiten und Regelverstößen aus. Alle Kinder mit ADHS sind betroffen von Gedankensprüngen, Vergesslichkeit, chaotischen Heften und Materialien. Die Noten sind geprägt von der stark schwankenden Mitarbeit, wechselhaften Leistungen und Teilleistungsschwächen.
Lehrer sehen sich durch dieses Verhalten genötigt, die Schüler ständig zu ermahnen und zu strafen. Die wenigen Verbesserungen führen zu Frustration bei Lehrern und Spannungen zwischen Schule und Elternhaus. Um diese negativen Auswirkungen möglichst gering zu halten, finden Sie im Folgenden Tipps zum Umgang mit hyperaktiven Schülern.

Strukturen und Rituale
Äußere Strukturen geben dem ADHS-Kind Halt in seinem chaotischen Denken. Machen Sie den Tages- und Stundenablauf für den Schüler transparent. Äußern Sie klare Zeitabsprachen, an denen sich der Schüler orientieren kann. Rituale verstärken zusätzlich den Ablauf des Unterrichts. Besondere Signale (Redestein, Stillezeichen, Schlachtruf) sind beliebt bei Schülern und Lehrern gleichermaßen. Zudem sollten Sie darauf achten, einen Rhythmus zwischen Spannung und Entspannung zu schaffen.

Kanalisierung der motorischen Unruhe
Geben Sie dem Schüler spezielle Aufträge, Besorgungen und erlauben Sie ihm, weniger störende Tätigkeiten auszuführen (kritzeln, spielen mit dem Radiergummi). Dies fördert nicht nur die Konzentrationsfähigkeit in der verbleibenden Unterrichtszeit, sondern vermittelt dem Schüler auch das Gefühl, wichtig für die Klassengemeinschaft zu sein.

Gezielte Ansprache
Kündigen Sie Fragestellungen, wichtige Erklärungen und Terminabsprachen deutlich an. Achten Sie dabei auf Blickkontakt, um sicher zu sein, dass der Schüler mit ADHS Ihnen zuhört. Hilfreich ist es, die Aufmerksamkeit des Schülers auf nonverbale Weise auf den Lehrer zu lenken (berühren an der Schulter, auf das Material zeigen). Falls notwendig, sollten Sie den Schüler nochmals gesondert ansprechen.

Wenige Regeln
Zu viele Regeln überfordern Schüler mit ADHS und erhöhen das innere Chaos. Überlegen Sie, welche Verhaltensweisen Sie als Lehrer und Ihre Klasse ignorieren können. Das Befolgen der Regeln, müssen Sie rigoros einfordern und Fehlverhalten umgehend sanktionieren. Um Frustrationen möglichst gering zu halten und das Verhalten des Lehrers transparent zu machen, ist es ratsam, einen Regel- und Sanktionskatalog gemeinsam mit dem ADHS-Kind zu erstellen und schriftlich zu fixieren.

Lernen mit allen Sinnen
Nicht nur für Kinder mit ADHS ist es lerntheoretisch wichtig, dass beim Lernen möglichst viele Sinneskanäle angesprochen werden.

Viel Loben
Sie sollten immer bedenken, dass der Schulmorgen für ADHS-Kinder ohne besondere Motivationshilfe kaum zu bewältigen ist. Loben Sie umgehend das Einhalten von Regeln, das Erreichen von Etappenzielen und gerne sein Bemühen generell. Achten Sie dabei darauf, dass das Lob immer ehrlich und konkret bleibt.

Planung ist das A und O
Oft gibt es Situationen, von denen Sie als Lehrer im Vorfeld wissen, dass sie besonders schwierig für Ihren ADHS-Schüler sein werden (Ausflüge, Bastelstunden). Holen Sie sich hierzu im Vorfeld Hilfe von Kollegen und Mitschülern. Auch in regulären Unterrichtsstunden ist es sinnvoll, Alternativen für Ruhephasen im Repertoire dabei zu haben.

Positiv-Liste
Einen ADHS-Schüler zu unterrichten stellt den Lehrer jeden Tag vor neue Herausforderungen und ist eine große Bereicherung. Kinder mit ADHS sind meistens begeisterunsfähige, hilfsbereite und kreative Menschen. Da sie sehr anstrengend sind, kann es für die Arbeitshygiene des Lehrers wertvoll sein, eine Art Positiv-Liste (Schatzkästchen) anzulegen, um die liebenswürdigen Charaktereigenschaften und Erfolge des Schülers nicht zu vergessen.
Da Menschen mit ADHS selten nachtragend sind, können Lehrer und Schüler jeden Tag aufs Neue daran arbeiten, den Schulalltag positiv für alle Beteiligten zu gestalten.