Höhere Lebenserwartung dank besserer medizinischer Versorgung

Lebenserwartung steigt - OP-Saal

Höhere Lebenserwartung dank besserer medizinischer Versorgung

Bes­sere medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung seit der Wende bringt dem Osten zwei Lebens­jahre mehr

Es stimmt scheinbar doch. Je besser das Gesundheitssystem ist, desto höher ist die Lebenserwartung.
Der Effekt zeigt sich vor allem in den ostdeutschen Ländern. Leider führen aber Versorgungsdefizite nicht nur in ostdeutschen, sondern auch  in westdeutschen Ländern  auch heute noch zu vermeidbaren Todesfällen, wie aktuelle Zahlen belegen.

Die Bevölkerung in den ostdeutschen Bundesländern hat seit der Wiedervereinigung besonders stark von einer besseren medizinischen Versorgung profitiert. Wurde die Lebenserwartung ostdeutscher Männer 1989 wegen Mängeln im Gesundheitssystem noch um 4,4 Lebensjahre reduziert, waren es 2015 „nur“ 2,5 Jahre. Westdeutsche Männer büßen deshalb aktuell 2,1 Jahre ein, anstatt 3,5 Jahre wie im Jahr 1989. Das zeigen neue Berechnungen des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) exklusiv für die Initiative „7 Jahre länger“.

Ähnlich ist die Situation bei den Frauen: Im Osten verloren sie 1989 noch 3,8 Jahre wegen schlechter Gesundheitsversorgung, 2015 „nur“ 1,8 Jahre (Westen: 2,9 vs. 1,7 Jahre). „Das Gesundheitssystem der DDR war mit geringeren Mitteln ausgestattet als das der BRD. Nach der Wiedervereinigung hat der Osten aber schnell aufgeholt“, sagt der MPIDR-Gesundheitsexperte Pavel Grigoriev.

Die Forscher nutzten für ihre Schätzungen Erkenntnisse, dass bestimmte Todesarten verhindert werden könnten, wenn Menschen schnelle medizinische Hilfe bekämen. Hierzu zählen etwa Todesfälle durch Grippe, Asthma oder Herzinfarkt. Und trotz aller Fortschritte führen noch heute Versorgungsdefizite zu vermeidbaren Todesfällen. „Die Verbesserung des Gesundheitssystems birgt noch viel Potenzial, um die Lebenserwartung in Deutschland zu steigern“, sagt Grigoriev.

Raucher verkürzen ihre Lebenserwartung um  zwei Jahre, starke Trinker um ein Jahr.

Für ein längeres Leben können die Menschen aber auch selbst etwas tun, beispielsweise indem sie auf Zigaretten verzichten. Die durchschnittliche Lebenserwartung ostdeutscher Männer sinkt dadurch um 2,1 Jahre, die der westdeutschen um 1,8 Jahre. Bei den Frauen ist es umgekehrt: Im Westen liegt der Verlust an Lebenszeit mit 0,8 Jahren leicht höher als im Osten (0,7 Jahre). Bei den Frauen ist der Einfluss des Rauchens auf die Lebenserwartung seit der Wende auch leicht gestiegen, während der Trend bei Männern rückläufig ist. In Ost wie West büßten Männer 1989 noch 2,6 Lebensjahre durch Rauchen ein.
Auch übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich negativ auf die Lebenserwartung aus. Das gilt vor allem für Männer. Zu viel Bier und Schnaps kosten die Ostdeutschen 1,1 Lebensjahre, im Westen sind es 0,8. Die Frauen leben gesünder.
Übermäßiger Alkoholkonsum senkt ihre Lebenserwartung in Ost wie West „nur“ um 0,3 Jahre. Seit 1989 sind die Werte leicht gesunken, wenngleich ostdeutsche Männer während der Wirtschaftskrise kurz nach der Wiedervereinigung zeitweise bis zu 1,6 Jahre wegen Alkoholmissbrauchs verloren.

 

Lebenserwartung nach Todesfallursachen

Ostdeutschland

Westdeutschland

Frauen

1989

2000

2015

1989

2000

2015

Lebenserwartung bei Geburt

76,4

80,7

83,1

79,1

81,2

83,1

Lebenserwartung bei Geburt (ohne Rauchen)

77,0

81,3

83,9

79,7

81,9

83,9

Lebenserwartung bei Geburt (ohne übermäßigen Alkoholkonsum)

76,8

81,2

83,5

79,6

81,6

83,4

Lebenserwartung bei Geburt (ohne medizinisch vermeidbare Todesursachen)

80,1

83,2

84,9

82,0

83,6

84,7

Differenz (ohne Rauchen)

0,6

0,6

0,7

0,6

0,7

0,8

Differenz (ohne übermäßigen Alkoholkonsum)

0,4

0,5

0,4

0,5

0,4

0,3

Differenz (ohne medizinisch vermeidbare Todesursachen)

3,8

2,5

1,8

2,9

2,3

1,7

Ostdeutschland

Westdeutschland

Männer

1989

2000

2015

1989

2000

2015

Lebenserwartung bei Geburt

70,1

73,8

77,3

72,5

75,2

78,6

Lebenserwartung bei Geburt (ohne Rauchen)

72,7

76,0

79,3

75,1

77,4

80,4

Lebenserwartung bei Geburt (ohne übermäßigen Alkoholkonsum)

71,3

75,1

78,4

73,5

76,1

79,3

Lebenserwartung bei Geburt (ohne medizinisch vermeidbare Todesursachen)

74,5

76,9

79,8

76,0

78,0

80,6

Differenz (ohne Rauchen)

2,6

2,3

2,1

2,6

2,2

1,8

Differenz (ohne übermäßigen Alkoholkonsum)

1,2

1,4

1,1

1,0

0,9

0,8

Differenz (ohne medizinisch vermeidbare Todesursachen)

4,4

3,1

2,5

3,5

2,8

2,1

Quelle: Max-Planck-Institut für demografische Forschung/ Initiative „7 Jahre länger“

 

Quelle: GDV Medieninformation