Mobbing als Lehrer verhindern – Tipps

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Als Lehrer Mobbing erkennen und vorbeugen

Psychologen warnen: „Ein Mobbing-Opfer zu sein, kann für einen Schüler schwerwiegende Folgen haben, wie z.B. Depressionen, psychosomatische Beschwerden und Suizidgedanken“

Lehrern fällt oft lange nichts auf, da die Anführer die Schikanen geschickt vor den Erwachsenen verbergen.
Mobbing wird von allen Mitschülern wahrgenommen und von vielen aus Angst toleriert.

Im Folgenden finden Lehrer Tipps, wie Sie mit Mobbing in Ihrer Klasse umgehen können.

Als Mobbing bezeichnet man Handlungen, die länger andauern und von einer Personen gegenüber einem Mitschüler ausgeführt werden, der in einer schwächeren Position ist. Dazu gehören beispielsweise mündliche und schriftliche Drohungen, Schikanieren, Ausgrenzen, üble Nachrede, verbale und körperliche Angriffe.

1. Beziehung vor Erziehung
Vernachlässigen Sie beim Unterrichten nicht den Beziehungsaspekt Ihrer Arbeit. Mobbingprozesse gedeihen in einem Klassenklima, in dem ausschließlich Wert auf Leistung gelegt und eine negative Fehlerphilosophie gepflegt wird. Beobachten Sie die gruppendynamische Prozesse in Ihrer Klasse.

2. Vorsicht vor Autoritätsverlust!
Nehmen Sie Anfänge von Mobbing wahr. Sehen Sie diese als Machtdemonstration von Schülern, die sich dieses Verhalten vor Ihren Augen erlauben. Es schwächt Ihre Autorität in der Klasse und muss von Ihnen sofort strengstens geahndet werden.

3. Wissen ist Macht
Suchen Sie sich schnellstmöglich Hilfe von ausgebildeten Kollegen. Gruppendynamische Prozesse sind sehr komplex und können von Außenstehenden klarer erkannt werden. Beim Mobbing müssen Lehrer die Prozesse verstehen, die sich zwischen Mobber, Opfer und Mitläufer abspielen. Lehrer sollten deshalb in diversen Gesprächstechniken kompetent sein, um mit allen Beteiligten über die inneren und äußeren Vorgänge sprechen zu können. Gibt es an Ihrer Schule noch kein Expertenteam, sollten Sie eines initiieren.

4. Empathie mit dem Opfer
Entgegen früherer Meinungen, es gebe typische Opferpersönlichkeiten, weiß man heute, dass jeder Opfer werden kann. Das Opfer versteht nicht, warum es plötzlich alle gegen sich hat. Es fühlt sich isoliert und schämt sich, weil es das Mobbing zulässt. Das Opfer verliert das Vertrauen in die eigene Handlungskompetenz und die Mobber erlangen immer mehr Macht.

5. Verstehen der Prozesse beim Täter
Entgegen dem äußeren Anschein, ist der Mobber eine Persönlichkeit, die ihre eigenen Ohnmachtserfahrungen gegenüber Schwächeren auslebt. Manche Täter waren selbst Opfer von Mobbing, sind mit der Pubertät überfordert oder erleben in ihrem Elternhaus nicht genügend Liebe und Anerkennung. Der Täter weiß beim Mobbing auf der Handlungsebene genau, was er tut. Zu seiner Gefühlswelt fehlt ihm diese Einsicht.

6. Mitläufer verstehen
Schüler wissen genau, was sich auf der Handlungsebene des Mobbings abspielt. Sie verstehen jedoch die starken Gefühle und die destruktive Gruppendynamik nicht, in die sich die Klasse verstrickt hat. Erleben die Schüler, dass die Lehrer diese Situation nicht wahrnehmen oder stillschweigend tolerieren, wird dem Mobber mehr Macht zugeschrieben als den Erwachsenen. Dies führt zu einer großen Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit der Klasse. Deshalb müssen Lehrer die Gefühle, die während eines Mobbings entstanden sind, ansprechen.

7. Mobbing als Lernfeld
Mobbingprozesse sind sehr komplex. Die Schüler verstehen selbst nicht, warum dies alles passiert und wie es begonnen hat. Machen Sie allen Schülern der Klasse ihren Anteil am bestehenden Konflikt auf kognitiver, sozialer und emotionaler Ebene klar und schaffen Sie eine Atmosphäre des Vertrauens, in der alle Schüler über das Geschehen reden können. Dann erleben Mobber, Opfer und Mitläufer, dass sie zu einer konstruktiven Lösung beitragen können. Besonders beim Opfer wird so das Selbstwertgefühl verbessert und die psychosoziale Kompetenz gestärkt, was künftigen Ungerechtigkeiten vorbeugen wird.

8. Aufklärung
Informieren Sie auf einem Elternabend die Eltern über Ihre Interventionen und führen Sie offene Gespräche mit den Eltern der Betroffenen. Erklären Sie einfühlsam, wie es zu dem Mobbing kommen konnte, wie Sie die Situation verbessern werden und bieten Sie Ihre Hilfe an.

9. Interventionsteams
Beim Mobbing ist das Eingreifen kompetenter Lehrer wichtig. Da ein schnelles Eingreifen das Ausufern der Situation vermeidet, sollte an jeder Schule ein Team von Lehrern und Schülern bestehen, an die sich Betroffene vertrauensvoll wenden können.

10. Schultheater
Eine gute Möglichkeit, Mobbing aufzuarbeiten oder Präventionsarbeit zu leisten, bietet das Schultheater.
Hier können die Schüler das Problem aus unterschiedlichen Perspektiven erfahren und Recherchen zu dem Phänomen betreiben. Das Thema wird so einerseits sehr nah erlebt, andererseits schafft die Darstellung Distanz. Im Mittelpunkt stehen die Emotionen der Beteiligten.

Mobbing ist ein destruktiver Prozess, der den Aufbau von vertrauensvollen, stabilen Beziehungen verhindert, die wichtig für erfolgreiches Lernen sind.
Lehrer sehen nicht aus Gleichgültigkeit weg, sondern weil sie sich hilflos fühlen.
Zu einer modernen Lehrerausbildung sollten deshalb unbedingt Kenntnisse der Gruppendynamik gehören, um Mobbing zu verhindern und ein positives Lernklima zu schaffen.

Beiträge zum Thema Mobbing:
Laut der Senftenberg-Studie erkennen Lehrer Mobbing oft nicht.

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