Praxissemester – Erfahrungsbericht einer Lehramtskandidatin

Referendarin im Praxissemester vor Schulklasse

So war mein Praxissemester

Nachdem bereits Kelly von ihrem Referendariat berichtete, möchte heute Sara ihre Erfahrungen während ihres Praxissemesters mit uns teilen. Und warum sie nun noch viel lieber auf Lehramt studiert.

Hätte mir doch jemand früher gesagt, wie viel Spaß das macht! Ich wäre morgens besser aus dem Bett gekommen, hätte mich vor Klausuren besser vorbereitet – und die Hausarbeiten hätte ich sicher auch nicht erst auf den letzten Drücker erledigt.

Wie jetzt?

Vor einigen Jahren entschied ich mich für das Lehramt an Grundschulen. Eher aus Verlegenheit und Bequemlichkeit. Pure Leidenschaft war das jedenfalls nicht. Dann kam das Praxissemester. Und ich wurde zur motiviertesten Lehramtsstudentin der Welt.

Lasst mich euch erzählen, warum.

Praktika an Schulen sind in den meisten Bundesländern während des Studiums mittlerweile Pflicht. Teilweise sogar ein ganzes Praxissemester, so wie in meinem Fall. Ich glaube, der Schock, erst nach dem Studium vor einer Klasse zu stehen, wäre einfach zu groß. Vor diesem Schock möchte man uns und die Schüler mit der Praxisphase wohl bewahren.

Ich hatte das große Glück, mein Praktikum an einer Grundschule meines Bezirks absolvieren zu dürfen.

Meine ersten Tage vergingen wie im Flug. Unzählige organisatorische Dinge musste ich lernen, dutzende neue Gesichter musste ich mir merken. Ich fühlte mich etwas überfordert. Doch aber auch dahingehend war das Praktikum sinnvoll: Ich realisierte endlich, was es heißt, Lehrerin zu sein. Und das war weit mehr, als zu unterrichten und die Tafel zu wischen.

Während des knappen halben Jahres, das ich an der Schule verbrachte, betreute mich Herr Behrend. Mit seiner ruhigen, gelassenen Art gab er mir von Anfang an Sicherheit und nahm mir Ängste, bevor sie überhaupt aufkamen. In meiner Schulzeit hätte ich mir öfter auch einen Herrn Behrend gewünscht.

Ängste
Apropos Ängste: Nachdem ich einige Zeit eher passiv am Unterricht beteiligt war und sich meine Tätigkeiten auf beobachten und notieren beschränkte, durfte ich schließlich eine ganze Unterrichtsreihe übernehmen. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, wie es sich anfühlt, das erste Mal vor einer Klasse zu stehen? Normalerweise nicht mit übermäßiger Nervosität gestraft, entdeckte ich plötzlich ganz neue Seiten an mir: Feuchte Hände und eine zittrige Stimme waren die ersten Tage meine ständigen Begleiter.

Geschafft habe ich es trotzdem irgendwie.

Ich muss aber auch zugeben, dass ich ganz besonders tolle Schüler vor mir hatte. Vielleicht auch wegen meines jungen Alters fand ich schnell einen Draht zu ihnen und wurde innerhalb kürzester Zeit von ihnen als vollwertige Lehrkraft angesehen.

Unterschätzt hatte ich allerdings die Zeit, die für die Vorbereitung des Unterrichts drauf geht. Es braucht sehr viel Zeit mehrer Stunden Unterricht sinnvoll vorzubereiten.  Ich hoffe einfach, dass ich über die Jahre mehr und mehr Materialien zusammentragen kann und damit künftig alles etwas schneller geht.

An der Schule war ich wöchentlich um die 20 Stunden. Zusätzlich kamen noch begleitende Seminare an der Uni.
In der Zeit meines Praktikums habe ich die allerdings eher als störend empfunden. Ich wollte zurück zu „meiner“ Schule und „meinen“ Kindern und mich voll und ganz darauf konzentrieren.

Das kannte ich nun wirklich nicht von mir: Ich entwickelte richtiges Herzblut.

Im Endeffekt hat mir das Unterrichten so viel Spaß gemacht, dass mein Berufswunsch nun gefestigter ist, als je zuvor (falls er jemals gefestigt war). Das lag an den bezaubernden Kindern und der toll organisierten Schule. Und natürlich an Herrn Behrend.

Mein Studium macht nun richtig Sinn und ich fühle mich auf dem richtigen Weg. Dank des Praxissemester weiß ich nun auch ganz genau, wo ich noch Defizite habe, die ich noch aufholen muss. Die restliche Zeit an der Universität werde ich  auch dafür nutzen, diese Lücken zu schließen.

Und wenn man erstmal weiß, wofür man lernt, dann geht alles tausendmal leichter von der Hand. Hätte ich das doch nur früher gewusst!

Auch wenn ich trotz Überforderung das Praxissemester positiv erlebte, zeigte sich schnell das mein Lehramtsstudium mich nicht wirklich auf die Praxis vorbereitet hat.