Die Mehrheit findet „Sitzenbleiben“ und Schulnoten sinnvoll

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Fördern und Fordern – Schulnoten und Sitzenbleiben werden von den Deutschen weiterhin als sinnvoll erachtet

Das Meinungsforschungsinstitut YouGov veröffentlichte am Donnerstag seine Ergebnisse:
Unter den 1024 Befragten gaben 25 Prozent an in ihrer Schulkarriere schon einmal sitzen geblieben zu sein,
3% davon sogar mehrmals. Unter den Sitzenbleibern waren mehr Männer als Frauen.

Auch Schüler sind mehrheitlich gegen Abschaffung des Sitzenbleibens.
Das ein Schuljahr bei schwachen Leistungen wiederholt werden muss befürworten 80% der Befragten. Aufgeschlüsselt:
33% finden das sehr sinnvoll – 48% eher sinnvoll.
Bemerkenswert ist, dass selbst Schüler mehrheitlich aussagten, dass sie das Sitzenbleiben nicht abschaffen wollen, weil ansonsten die Leistungsbereitschaft darunter leiden würde.

Fördern und Fordern
Alle Jahre wieder wird darüber diskutiert ob man die Schulnoten oder das Sitzenbleiben ganz abschaffen sollte. Doch in der deutschen Bevölkerung finden diese Ideen dieser Tage keinen Rückhalt.
Doch Kritiker des Notensystems sehen Schulnoten zwischen 1-6 als ungerecht an. Sie wären anfällig für Verzerrungen und schlecht vergleichbar.
Heinz-Peter Meidinger der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes betont: ”Zu einer erfolgreichen pädagogischen Arbeit gehört beides: Fördern und Fordern. Wer auf das Einfordern von Leistungen und Jahrgangsstufen-Standards verzichtet, der schadet den Zukunftschancen der Jugendlichen selbst am meisten.“ Nach der aktuellen Umfrage sind nur 20% der Befragten gegen Schulnoten. 6% davon halten sie für “gar nicht sinnvoll” und  14% für “eher nicht sinnvoll”.

Schule ist ein Angstsystem
Margret Rasfeld, bekannt als engagierte Schulreformerin, sagt: “Schule ist ein Angstsystem”. Rasfeld:”Wir kleben voll am alten Muster, das alte System würde optimiert, aber das bringt nichts Neues”. Ihrer Meinung nach braucht es jahrgangsübergreifende Klassen und völlig neue Formate in der Schule – wie auch neue Fächer. Kinder sollten individualisiert lernen. “Aber das Kultusministerium tut nichts anderes, als alles zu vereinheitlichen”.

In ihrer Schule, der Evangelischen Schule Berlin Zentrum erhalten die Kinder deshalb auch keine Noten. Die Kinder bekommen eine persönliche Rückmeldung vom Lehrer und Zertifikate.  
Margret Rasfeld sagt:”Die Motivation der Kinder ist bei uns das sie von uns gesehen werden, sie werden wertgeschätzt und jeder findet Beachtung für seine Leistung”.
Die Reformerin geht nun in den Ruhestand – Deutschland wird aber wohl erst einmal an alten Mustern festhalten.