Wenn ein „Bulle“ Hilfe braucht

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Auch ein Polizist braucht mal Hilfe

Wir alle erwarten von den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten dass sie uns beschützen, uns helfen und uns Sicherheit zu geben. Doch was ist eigentlich mit den Beamtinnen und Beamten selbst?
Sie werden bedroht, angegriffen und beschimpft, erleben an Unfallorten oder Tatorten schreckliche Szenen.
Selbstverständlich brauchen diese „Menschen in Uniform“ auch einmal ein offenes Ohr und Hilfe für die eigene Seele, das eigene Wohl.
In Sachsen-Anhalt gibt es eine Anlaufstelle: der Polizeipfarrer.

Vor einigen Tagen wurde der neue Jahresbericht der Polizei veröffentlicht. Das Ergebnis fiel, so wie zu erwarten, aus: die Zahl von Verletzten und angegriffenen Polizeibeamten ist wieder gestiegen.
Dies liegt zum einen daran dass unsere Polizei immer häufiger bei Fußballspielen eingesetzt wird, wie auch an der immer weiter sinkenden Hemmschwelle von Straftätern.
Das was unsere Polizisten dort erleben hinterlässt Spuren in der Seele. Denn neben der Gefahr für Leib und Leben beginnt der eigentliche Schwerpunkt für den „Mensch in Uniform“ erst nach dem Einsatz. Er muss sich überwinden, anderen gegenüber öffnen und auch einmal sagen:“ ich brauche Hilfe“. Nein, der Polizeialltag ist nicht permanent von Gewalt geprägt. Es gibt natürlich auch einfache Tätigkeiten wie zum Beispiel die Verkehrskontrollen oder Routinearbeiten am Schreibtisch. Es werden Anzeigen aufgenommen, der Verkehr geregelt, Berichte geschrieben. Aber neben diesen Tätigkeiten muss man eben auch nach vielen Stunden Arbeit noch einmal raus, muss genau dort helfen wo man am Tag zuvor noch als „Bulle“ oder Schlimmeres betitelt worden ist. Das gehört zum Job
und um solche Zustände zu verarbeiten braucht es nun mal jemand der genau weiß, wovon da die Rede ist. Da gibt es keinen Psychiater wo man mal eben vorbeifahren kann-wie dies in manch einer Polizeiserie im Fernsehen so oft zu sehen ist. Da gibt es dann eigentlich nur die Seelsorge, ein anderer ist nicht da.

Was tut der Polizei Pfarrer denn eigentlich? Ganz einfach: „zuhören!“ Er ist einfach da wenn man ihn braucht, den Kolleginnen und Kollegen halt, und dies vor allem in der Gewissheit hier wirklich unverblümt erzählen zu können was einen bedrückt. Denn der Polizei Pfarrer ist an keine Berichtspflicht gebunden, er ist der Dienstverschwiegenheit verpflichtet und das gibt den Kollegen vor Ort dann die notwendige Sicherheit.