Werte in der Schule lernen

 

Lernen Kinder noch Werte in der Schule?

Alle Jahre wieder

Regelmäßig wiederholt sich eine Diskussion über Werte. Oft reichen Pressemeldungen über scheinbar verrückt spielende Jugendliche. Kommt es dabei auch zu Gewaltexzessen, wie zuletzt bei Angriffen auf Rettungskräfte in der Silvesternacht, ist die öffentliche Debatte darüber vorprogrammiert.
Während auf der einen Seite schnell der Ruf nach härteren Strafen als Erziehungsmaßnahme laut wird, weisen besonnene Diskussionsteilnehmer oft auf einen sich verzeichnenden Verfall der Werte hin.

Die Soziologie tut sich schwer mit diesem Urteil und spricht stattdessen lieber von einem Wandel der Werte. Trotzdem überwiegt die Seite der Befürworter, die sich eine stärkere Vermittlung von Werten, auch in der Schule, wünschen. Damit sollten Versäumnisse im Elternhaus wettgemacht und die Jugendlichen wieder auf den charakterlich richtigen Weg geleitet werden.

Was sind eigentlich Werte?

Was versteht man überhaupt unter Werten? Warum sind diese Werte wichtig für unsere Gesellschaft? Und: Ist es überhaupt möglich, diese Werte in der Schule zu vermitteln? Und wie könnte das in der Praxis aussehen?

Hinter dem sperrigen Begriff der Werte stehen mehrere Denkschulen, die ihren Ursprung teilweise in der Soziologie, aber auch der Philosophie und der Journalistik haben.

Werte sind vor allem Substantive, die Eigenschaften des Einzelnen beschreiben, die als gut und erstrebenswert empfunden werden.

Ehrlichkeit, Mitgefühl und Rücksichtnahme sind Charaktereigenschaften, die wir im Umgang miteinander voraussetzen. Doch wie sieht es mit Disziplin, Ordnungssinn und Sorgfalt aus? Sind das Muss-Eigenschaften oder Kann-Eigenschaften? Die Frage lässt erkennen, wie schwer es fällt hier einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Vielzahl unterschiedlicher Werte

Bereits heute vermitteln Schulen ihren Schülern Grundwerte, von denen diese im späteren Leben profitieren sollen.

Neben den oben genannten ‚Basiswerten‘ wie Ehrlichkeit und Rücksichtnahme gibt es eine Vielzahl von Werten, die sich in verschiedene Kategorien unterteilen:

Den Umgang untereinander betreffend sind die wichtigsten:

– Vertrauen – Verzicht auf Gewalt – Fähigkeit zu Kompromissen – Wertschätzung – Toleranz

Darüber hinaus gibt es Tugenden, von denen die Schützlinge besonders im späteren Arbeitsleben profitieren. Vermittelt werden sollen daher:

– zuverlässiges Handeln – die Fähigkeit, konstruktive Kritik zu üben und zu erhalten – Teamfähigkeit – Sorgfalt bei der Arbeit – Pünktlichkeit und die Fertigkeit, Zusagen einzuhalten

Gewohnheiten können helfen

Seien es die morgendlichen Begrüßungsrituale, das gemeinsame Aufräumen oder die Verständigung auf gemeinsame Regeln und Aufgaben jedes Einzelnen. All diese Rituale und fest vereinbarte Gewohnheiten können dabei helfen, Werte vorzuleben und weiterzugeben.

Eine aktive Diskussion über die vereinbarten Regeln macht den Schülern Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der vermittelten Werte bewusst. Ein lebendiges Miteinander bei der Umsetzung ist dabei immer erstrebenswerter, als starre Regeln die nur aufgrund des Hierarchiegefälles beachtet und umgesetzt werden.

Lehrer sind auch Vorbilder

Als wichtige Bezugspersonen übernehmen Lehrer immer auch eine Vorbildfunktion für die Heranwachsenden. Wie wichtig diese Rolle ist, wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viel Zeit Schüler mit ihren Lehrern verbringen. Ganz klar, dass in dieser Zeit der Reifung der eigenen Persönlichkeit auch viele Verhaltens-/ und Denkmuster übernommen werden.

Jedes Erziehungsziel, das die Lehrkraft bei seinen Schülern verfolgt, sollte deshalb auch konsequent vorgelebt werden.

Konkret spiegelt sich dieser Anspruch in der Reflexion selbstkritischer Fragen wie:

– Bin ich freundlich zu meinen Schülern? – Kann ich zuhören, ohne zu unterbrechen? – Kann ich mich bei einem Fehler auch entschuldigen? – Ist mein Arbeitsplatz so aufgeräumt, wie ich es von meinen Schülern erwarte? – Ist meine Lautstärke den verschiedenen Situationen angemessen?

Werte nur gemeinsam mit Elternhaus vermittelbar

Das die Bildung positiver Charaktereigenschaften nur gemeinsam mit den Eltern der Schützlinge gelingen kann, versteht sich von selbst. Werte können nur dann gelebt und weitergegeben werden, wenn sie möglichst deckungsgleich zwischen Schule und Elternhaus sind.

Die oft beobachtete Distanz zwischen Schule und Elternhaus sollte deshalb möglichst einem partnerschaftlichen Verhältnis weichen. Außerschulische Veranstaltungen unter Einbeziehung der Eltern schaffen einen vertrauensvollen Umgang und ein Verständnis für die gelebten und zu fördernden Werte.