Krankenversicherung im Referendariat

 

Stand: März 2026 – Redaktionell geprüft und auf die aktuellen Beihilfeverordnungen der Bundesländer angepasst.

Quick-Check: Das Wichtigste für Ihr Referendariat in Kürze

  • Ihr neuer Status: Als Beamter auf Widerruf übernimmt der Staat 50 % bzw. 70 % Ihrer Krankheitskosten (Beihilfe). Sie müssen nur noch die restlichen 50 % bzw. 30 % absichern.
  • Kostenvorteil Privat: Durch stark rabattierte Anwärtertarife der privaten Krankenversicherung zahlen Sie 2026 oft nur zwischen 60 € und 140 € im Monat.
  • Alternative Pauschale Beihilfe: In immer mehr Bundesländern zahlt der Dienstherr 50 % Ihres GKV-Beitrags. Ideal bei Vorerkrankungen, großen Familien oder niedriger Besoldung.
  • Fristen beachten: Sie müssen sich direkt zu Beginn des Referendariats entscheiden. Ein späterer Wechsel ist oft mit erheblichen Nachteilen verbunden.

1. Systemwechsel: So funktioniert die Beihilfe

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem anstehenden Referendariat! Mit der Ernennung zur Beamtin oder zum Beamten auf Widerruf (BaW) ändert sich einiges – vor allem in der Krankenversicherung. Sie unterliegen nun nicht mehr der klassischen Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV).

Ihr Dienstherr übernimmt ab sofort einen Teil der Fürsorgepflicht. Wenn Sie zum Arzt gehen, erstattet das Land (oder der Bund) einen festgelegten Prozentsatz Ihrer Gesundheitskosten. Das ist die sogenannte Beihilfe. Der Beihilfesatz liegt in der Regel bei 50 %, kann sich aber je nach familiärer Situation (z. B. ab zwei berücksichtigungsfähigen Kindern) auf 70 % erhöhen. Ihre Aufgabe ist es nun, eine Krankenversicherung zu finden, die genau die verbleibenden 50 % bzw. 30 % (die sogenannten Restkosten) abdeckt.

2. Die PKV: Warum sie meistens die erste Wahl ist

Die weitaus meisten Lehramtsanwärter entscheiden sich für eine private Krankenversicherung. Da Sie nur die restlichen 50 % bzw. 30 % der Behandlungskosten absichern müssen, ist der monatliche Beitrag extrem niedrig.

Zudem bieten die privaten Gesellschaften in dieser Ausbildungsphase spezielle Tarife an, in denen noch keine Altersrückstellungen gebildet werden. Wenn Sie sich für diese Anwärtertarife der privaten Krankenversicherung entscheiden, zahlen Sie wirklich nur für den reinen Risikoschutz. Das entlastet Ihr Budget während des Referendariats enorm.

Ihre Vorteile als Privatpatient:

  • Finanzielle Entlastung: Die Beiträge liegen 2026 je nach Eintrittsalter bei  60 bis 140 Euro im Monat.
  • Erstklassige Versorgung: Sie genießen freie Arztwahl, erhalten bei vielen Fachärzten deutlich schneller Termine  und sichern sich Top-Leistungen wie Chefarztbehandlung im Krankenhaus.
  • Einfacher Übergang: Werden Sie nach dem Referendariat verbeamtet, wechseln Sie innerhalb der Gesellschaft nahtlos und ohne erneute Gesundheitsprüfung in den Volltarif.

Bitte beachten Sie: Die Aufnahme in die PKV ist an eine Gesundheitsprüfung geknüpft. Bei bestimmten Vorerkrankungen (z. B. laufende Psychotherapien oder chronische Leiden) kann die Versicherung Risikozuschläge erheben oder den Antrag im schlimmsten Fall ablehnen.

3. Pauschale Beihilfe: Wann die GKV Ihre Rettung ist

Früher bedeutete der Verbleib in der gesetzlichen Krankenkasse für Beamte oft den finanziellen Ruin. Man musste den vollen Beitragssatz (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) selbst tragen. Die klassische Beihilfe, die Rechnungen erstattet, ist nur mit einem privaten Ergänzungstarif kombinierbar.

Dies hat sich grundlegend geändert. Im Jahr 2026 bieten viele Bundesländer (darunter Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg, Niedersachsen und weitere) das Hamburger Modell an – auch bekannt als pauschale Beihilfe.

Wann Sie die pauschale Beihilfe unbedingt prüfen sollten:

Bei der pauschalen Beihilfe überweist Ihnen der Dienstherr jeden Monat die Hälfte Ihres GKV-Beitrags. Das ist in drei konkreten Situationen vorteilhaft:

  • Bei Ablehnung durch die PKV: Wenn chronische Vorerkrankungen vorliegen und private Versicherer Sie ablehnen oder horrende Zuschläge fordern. Die gesetzliche Kasse muss Sie aufnehmen!
  • Bei großen Familien: In der privaten Krankenversicherung zahlt jedes Familienmitglied einen eigenen Beitrag. In der GKV sind Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen zur Zeit noch kostenfrei familienversichert.
  • Bei niedrigen Besoldungsstufen: Der GKV-Beitrag berechnet sich prozentual aus Ihrem Einkommen. Verdienen Sie weniger (z. B. durch Teilzeit), sinkt auch Ihr Beitrag. Die PKV kostet hingegen immer gleich viel, unabhängig vom Gehalt.

Ein wichtiges Detail: Entscheiden Sie sich für die pauschale Beihilfe, ist dies in fast allen Bundesländern eine Entscheidung fürs Leben! Sie verzichten damit unwiderruflich auf die individuelle, rechnungsbasierte Beihilfe. Lassen Sie sich hierbei im Vorfeld unbedingt ausführlich beraten.

4. Direktvergleich der Kosten 2026

Damit Sie eine klare Vorstellung der monatlichen Belastung haben, vergleichen wir hier die durchschnittlichen Kosten für einen kinderlosen Lehramtsanwärter (Mitte 20, Anwärterbezüge ca. 1.500 € brutto):

Merkmal PKV (Anwärtertarif) GKV (Freiwillig 100 %) GKV (Pauschale Beihilfe)
Monatlicher Eigenanteil ca. 65 € – 140 €
(inkl. Pflegepflicht)
ca. 270 € – 300 €
(voller Beitragssatz)
ca. 135 € – 150 €
(50 % vom Dienstherrn bezahlt)
Leistungsniveau Sehr hoch (Privatpatient) Gesetzliches Minimum Gesetzliches Minimum
Familienversicherung Nein (eigener Beitrag nötig) Ja (kostenfrei) Ja (kostenfrei)

5. Checkliste für Ihre Entscheidung

Nehmen Sie sich Zeit für diesen wichtigen Schritt. Gehen Sie die folgenden Fragen ehrlich für sich durch:

  • Bundesland prüfen: Wird die pauschale Beihilfe an meinem Ausbildungsort überhaupt angeboten?
  • Gesundheit bewerten: Habe ich Behandlungen (z. B. Psychotherapie, chronische Rückenleiden) in den letzten 3 bis 5 Jahren gehabt, die einen PKV-Eintritt erschweren?
  • Familie planen: Möchte ich zeitnah Kinder bekommen? Wie ist mein Partner oder meine Partnerin versichert?
  • Existenz absichern: Habe ich bereits an eine Dienstunfähigkeitsversicherung gedacht? Gerade im Referendariat zahlt der Staat bei Dienstunfähigkeit noch keine Pension!
  • Expertise nutzen: Fordern Sie bei uns eine individuelle Checkliste und einen Vergleich an, um Ihre Optionen schwarz auf weiß zu sehen.

6. Häufige Fragen (FAQ)

Was passiert mit der Versicherung nach dem Referendariat?

Sobald Sie als Beamtin oder Beamter auf Probe übernommen werden, endet Ihr Anwärtertarif. Sie stellen die Versicherung dann auf einen normalen Volltarif um. Der Beitrag steigt dadurch an (meist auf ca. 250 € bis 350 €). Bleiben Sie bei Ihrer Versicherungsgesellschaft, müssen Sie keine neue Gesundheitsprüfung durchlaufen.

Und wenn ich nach dem Ref nicht sofort verbeamtet werde?

Arbeiten Sie nach dem Referendariat zunächst im Angestelltenverhältnis oder melden sich arbeitslos, greift in der Regel wieder die Versicherungspflicht der GKV. Sie können Ihre private Krankenversicherung dann auf „Anwartschaft“ setzen. So frieren Sie Ihren Gesundheitszustand ein und können später problemlos zurückkehren.

Muss ich in der PKV Rechnungen wirklich selbst vorstrecken?

Grundsätzlich ja. Sie erhalten die Rechnung vom Arzt nach Hause, scannen diese per App ein und senden sie an Ihre PKV sowie die Beihilfestelle. Sobald das Geld erstattet wurde, überweisen Sie es an den Arzt. Bei sehr hohen Rechnungen, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt, rechnen die Kliniken heutzutage aber fast immer direkt mit der Versicherung ab.

Treffen Sie die richtige Entscheidung für Ihre Zukunft

Nutzen Sie unseren kostenfreien und völlig unverbindlichen Vergleich. Wir prüfen genau, welche Lösung in Ihrem Bundesland und für Ihre gesundheitliche Situation am besten passt.

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