GKV oder PKV im Referendariat?
Entscheidungshilfe 2026
Geprüft und aktualisiert: July 2026
Mit der Ernennung zum Beamten auf Widerruf (BaW) steht eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen Ihrer Laufbahn an: Sollen Sie in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleiben oder in die Private Krankenversicherung (PKV) wechseln?
Diese Entscheidung hat massive Auswirkungen auf Ihr monatliches Nettoeinkommen und Ihre medizinische Versorgung.
Quick-Check: GKV vs. PKV für Referendare auf einen Blick
- Das Prinzip: Als Beamter auf Widerruf erhalten Sie 50 %-70% (ab zwei Kindern) Beihilfe vom Dienstherrn. Die restlichen 50 % müssen Sie absichern.
- Der Preis-Tipp: Die PKV bietet spezielle Anwärtertarife an. Diese kosten im Schnitt nur ca. 60 bis 110 Euro im Monat bei absoluten Top-Leistungen.
- Die GKV-Falle: Bleiben Sie freiwillig gesetzlich versichert, zahlen Sie in einigen Bundesländern den vollen Beitragssatz (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) allein – oft über 200 Euro monatlich!
- Ausnahme (Pauschale Beihilfe): In Bundesländern wie Hamburg, Baden-Württemberg, Bremen, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Thüringen und Sachsen beteiligt sich das Land an den GKV-Kosten. Die Beitragsdifferenz zur PKV ist niedriger und in manchen Fällen trotz schlechterer Leistung eine Alternative.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Die Ausgangslage: Systemwechsel im Referendariat
- 2. Die Private Krankenversicherung (PKV): Vor- und Nachteile
- 3. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV): Vor- und Nachteile
- 4. Kostenvergleich: Was bleibt netto übrig?
- 5. Gesundheitsfragen und die Öffnungsaktion
- 6. Fazit & Experten-Tipp
- 7. Häufige Fragen (FAQ)
1. Die Ausgangslage: Systemwechsel im Referendariat
Als Student waren Sie vermutlich gesetzlich familienversichert oder haben den günstigen Studententarif der GKV genutzt. Mit der Vereidigung zum Beamten auf Widerruf ändert sich das System grundlegend. Sie haben nun einen Anspruch auf Beihilfe durch Ihren Dienstherrn.
Ihr Dienstherr übernimmt 50-70 Prozent Ihrer Krankheitskosten. Für die restlichen 30-50 Prozent müssen Sie selbst aufkommen. Hier kommt die Beihilfeergänzungsversicherung (eine Form der PKV) ins Spiel, die genau diese Lücke schließt.
Je nach Bundesland können Sie auch die pauschale Beihilfe wählen, diese übernimmt 50% Ihres GKV-Beitrag (nicht des Plegepflichtversicherungveitrags).
2. Die Private Krankenversicherung (PKV): Vor- und Nachteile
Für etwa 90 bis 95 Prozent aller Lehramtsanwärter führt der Weg in die PKV. Der Grund dafür sind die extrem günstigen Anwärtertarife. Da Sie als Referendar noch jung sind und die Versicherer Sie als zukünftigen, einkommensstarken Akademiker für sich gewinnen möchten, verzichten sie in diesen Tarifen auf die Bildung von Altersrückstellungen.
Vorteile der PKV im Referendariat
- Enorme Kostenersparnis: Beiträge liegen meist nur zwischen 60 und 110 Euro monatlich.
- Privatpatienten-Status: Schnellere Terminvergabe, Chefarztbehandlung, Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus.
- Leistungsgarantie: Die vertraglich zugesicherten Leistungen können (im Gegensatz zur GKV) nicht durch den Gesetzgeber gekürzt werden.
- Zuschüsse: Sehhilfen und hochwertiger Zahnersatz werden in der Regel exzellent erstattet.
Gibt es Nachteile? Ja. In der PKV gilt das Kostenerstattungsprinzip: Sie erhalten die Arztrechnung direkt und reichen sie sofort bei Ihrer PKV und der Beihilfestelle ein. Ist die Zahlungsfrist kürzer als die Bearbeitungszeit, müssen Sie das Geld vorstrecken.
Zudem ist der Zugang zur PKV an eine Gesundheitsprüfung geknüpft.
3. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV): Vor- und Nachteile
Grundsätzlich können Sie sich als Referendar auch entscheiden, als freiwilliges Mitglied in der GKV zu bleiben. Der entscheidende Haken in Bundesländern ohne pauschale Beihilfe: Es gibt keinen Arbeitgeberanteil! Sie müssen den gesamten Beitragssatz (ca. 14,6 % + Zusatzbeitrag + Pflegeversicherung) aus eigener Tasche zahlen, basierend auf Ihren Anwärterbezügen.
Wann kann die GKV mit pauschaler Beihilfe sinnvoll sein
- Sie sind in eine niedrige Besoldungsgruppe eingestuft.
- Sie haben eine sehr große Familie (mehrere Kinder), die in der GKV kostenfrei familienversichert bleiben können. (Achtung: In der PKV erhalten Kinder 80% Beihilfe, der Restbeitrag ist oft sehr gering!).
- Sie leiden unter schweren, chronischen Vorerkrankungen und fallen bei der PKV durchs Raster (siehe Öffnungsaktion unten).
4. Kostenvergleich: Was bleibt netto auf dem Konto?
Damit Sie ein Gefühl für die Zahlen bekommen, haben wir hier eine Beispielrechnung (Stand 2026, Anwärtergrundbetrag ca. 1.600 € brutto, ledig, keine Kinder, NRW) erstellt.
| Merkmal | GKV Beitrag mit pauschaler Beihilfe | PKV Beitrag |
|---|---|---|
| Monatlicher Beitrag |
50% von 280,00 € = 140,00 € Pflegeplfichtversicherung = 67,20 € | 65,00 € – 120,00 € 25,00 € – 30,00 € |
| Gesamt | 207,20 € | 90,00 € – 150,00 € |
| Ersparnis pro Monat | – | bis zu 117 € netto mehr! |
5. Gesundheitsfragen und die Öffnungsaktion
Die Hürde zur PKV ist die Gesundheitsprüfung. Wenn Sie in den letzten Jahren in psychotherapeutischer Behandlung waren, chronisches Asthma haben oder schwere Knieverletzungen vorliegen, kann die PKV einen Risikozuschlag verlangen oder Sie im schlimmsten Fall ablehnen.
Aber keine Panik! Für Beamtenanwärter gibt es die Öffnungsaktion der privaten Krankenversicherer. Diese garantiert Ihnen, dass Sie – egal bei welcher gesundheitlichen Vorgeschichte – von teilnehmenden PKV-Gesellschaften aufgenommen werden müssen. Der Risikozuschlag ist dabei gesetzlich auf maximal 30 % des Tarifbeitrags gedeckelt.
6. Fazit & Experten-Tipp
Für die absolute Mehrheit der Lehramtsanwärter ist der Wechsel in die Private Krankenversicherung finanziell und leistungstechnisch die einzig logische Wahl. Sie sparen während des Referendariats (meist 18 Monate) einen größere Beitrag und genießen gleichzeitig eine erstklassige medizinische Versorgung.
Wichtig ist jedoch, dass Sie nicht einfach blind irgendeinen Tarif abschließen. Die Beihilfeverordnungen der Bundesländer unterscheiden sich teilweise deutlich voneinander. Ein Tarif, der in Bayern perfekt funktioniert, deckt in Hessen vielleicht nicht alles ab. Lassen Sie sich daher von unabhängigen Experten beraten, bevor Sie Ihre Unterschrift setzen.
Häufige Fragen (FAQ) zum Thema GKV oder PKV im Referendariat
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