Lehramtsreferendariat Vorbereitungsdienst Deutschland - Bundesländer

Informationen zum Lehramtsreferendariat

Referendariat/Vorbereitungsdienst
Ausbildungsziel
Dauer
Hospitationsphase
Staatsexamen
Bezüge
Kritik
Krankenversicherung
Berufsgruppen
Schutz der Referendarbezeichnung
Beendigung des Referendariats

Was erwartet angehende Lehrkräfte auf ihrem Ausbildungsweg?

Vielleicht haben auch Sie schon vor dieser Frage gestanden und stehen kurz vor dem Abschluss des ersten Staatsexamens. Wir möchten Ihnen einen kleinen Einblick in die Ausbildungsabschnitte ihres künftigen Berufs geben und hoffen Ihnen so eine Übersicht zu verschaffen und sie ein klein wenig vorzubereiten.
Sicher ist, das die Aussichten in vielerlei Hinsicht nicht eben gut sind.
Viele, gut ausgebildete, Lehrerinnen und Lehrer trudeln nach erfolgreich absolvierte Ausbildung in die Arbeitslosigkeit. Um einen der begehrten Plätze, ob nun als Angestellter oder als beamteter Lehrer, zu erhalten bedarf es häufig leider nicht nur einer guten Ausbildung sondern auch einer hohen Flexibilität was den künftigen Wohnort angeht.

So finden sich oft junge Berliner Lehrkräfte mit einer Anstellung in Baden-Württemberg, Bayern oder Nordrhein-Westfalen wieder. Fern ab von ihrer Familie und ihrem Freundeskreis.
Solch ein persönlicher „Neuanfang“ birgt allerdings auch eine Vielzahl an Chancen und Möglichkeiten.

Im Bereich der Lehramtsausbildung/Lehrerausbildung tragen die Anwärter in den meisten deutschen Bundesländern die Dienstbezeichnung „Studienreferendar“, sofern sie im Vorbereitungsdienst für den höheren Dienst (Lehramt an Gymnasien, beruflichen Schulen , Sonderschulen) vorbereitet werden.

Anwärter für den gehobenen Dienst tragen die Bezeichnung „Lehramtsanwärter“ (LAA) oder „Lehreranwärter“, meist mit einem Zusatz der Schulrichtung (zum Beispiel Realschullehreranwärter, Grundschulllehreranwärter oder  Hauptschullehreranwärter).

Das Referendariat, bzw. der Vorbereitungsdienst ist der zweite Teil der Ausbildung zum Lehrer

Bei einem Referendariat handelt es sich um einen Vorbereitungsdienst, also genau genommen um eine Ausbildungszeit für die zukünftige Beamtenlaufbahn im höheren Dienst. Davon eingenommen sind vor allem Lehrer und Juristen, es kann jedoch auch verwaltend tätige Beamte betreffen. Ein Referendariat dauert im Regelfall zwei Jahre. Während dieser Zeit soll der Referendar das praktische Können erlernen, das ihm das Studium an der Universität nicht vermitteln konnte. Voraussetzung für das Referendariat ist, dass nach einem mindestens drei Jahre andauernden Studium an einer Hochschule, dieses mit dem ersten Staatsexamen oder einer gleichwertigen Prüfung abgeschlossen wurde.

Die Ausbildung der Referendare wird in jedem Bundesland anders gestaltet und ist anhand der jeweiligen Ausbildungsvorschriften festgelegt. Die meisten Länder orientieren sich dafür unter Berücksichtigung von § 14 des Beamtenrahmengesetzes am öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis als Angestellter. Der Referendar erhält allerdings geringere Bezüge. Diesen Ausbildungsvorschriften unterliegen vor allem Personen, bei denen das Referendariat auch außerhalb eines Beamtenverhältnisses verpflichtend ist, beispielsweise bei Lehrern.

Rechtsreferendare in Thüringern, sowie unabhängig von der Branche auch in wenigen anderen Ländern, werden als Beamte auf Widerruf geführt.

Während die erste Phase zum Ziel hat, die wissenschaftlichen Grundlagen – und zwar sowohl in den Fächern als auch in den Berufswissenschaften, vor allem Erziehungswissenschaft – für professionelles Lehrerhandeln zu schaffen, richtet sich die Zweite Phase auf das praktische Lehrerhandeln auf wissenschaftlicher Grundlage. [Die sogenannte „Erste Phase“ findet an Universitäten (nur noch in Baden-Württemberg teilweise auch Pädagogischen Hochschulen) statt.]

Das Ausbildungsziel

Das Ausbildungsziel ist das Erlangen der Fertigkeiten, die ein Lehrer braucht. Der Referendar soll unter anderem Stressbewältigungsfähigkeit zeigen, Planungskompetenz in Bezug sowohl auf seine Ausbildung sowie auf seinen eigenverantwortlichen Unterricht und natürlich eine solide Unterrichtsplanung vorweisen.
An dieser letzten Fähigkeit werden durch die Examenslehrproben (auch Prüfungsunterrichte genannt) und durch die Ausbildungsnote (Vornote) die Leistungen direkt gemessen, denn von der Planung und damit verbundenen Durchführung von Unterricht hängt ab, ob und wie gut die Schüler etwas gelernt haben.
Daher muss der Referendar sich sowohl im Bereich der jeweiligen Fachdidaktik – normalerweise für zwei Fächer – und in der Pädagogik beweisen, hat also üblicherweise einen Ausbilder und eine Seminarveranstaltung in jedem Bereich, insgesamt daher drei (Pädagogischer Betreuer, Ausbilder Fach 1, Ausbilder Fach 2).

Dauer des Lehramtsreferendariat

Das Referendariat dauert für den höheren Dienst in der Regel zwei Jahre ausgenommen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen.

In Nordrhein-Westfalen und Hamburg dauert es in der Regel 18 Monate. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen  dauert das Referendariat für Bewerber, die im Studium eine vom jeweiligen Bundesland festgelegte Anzahl von Praktikumswochen absolviert haben, nur 18 Monate. Teilweise sind Verkürzungen des Ausbildungszeitraums unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
Die Referendare unterrichten, in den Bundesländern unterschiedlich geregelt, selbstständig bis zum Umfang etwa eines halben Lehrauftrages und absolvieren zusätzlich verschiedene Seminarveranstaltungen, in denen didaktische und pädagogische Kompetenzen erworben werden sollen.

Die Einteilung ist grundsätzlich Hospitation, Ausbildungsunterricht, eigenständiger Unterricht.

Nach einer unterschiedlich langen Hospitationsphase – zwei Monate (Niedersachsen) bis sechs Monate (Baden-Württemberg) – unterrichten die Referendare eigenständig, bezeichnet als „eigenständiger“ oder „bedarfsdeckender Unterricht“.
Lehrer, die an Pädagogischen Hochschulen ausgebildet wurden, unterrichten in manchen Bundesländern von Anfang an selbständig, da sie bereits während des Studiums einen hohen schulpraktischen Anteil hatten.

Meistens werden in den Seminaren verschiedene sog. „Bausteine“, die sich aus unterschiedlichen pädagogischen Themen zusammensetzen, erarbeitet bzw. besprochen. Solche Bausteine können beispielsweise Medienkompetenz oder Handlungsorientierung sein. Ferner werden fachspezifische didaktische Fähigkeiten geschult, zum Beispiel die Planung von Experimenten und Übungen.

In der nächsten Phase folgt Ausbildungsunterricht, bei dem der Referendar bei Anwesenheit des Fachlehrers seine Stunden erteilt und diese – im Idealfall – vor und nach der Stunde mit dem Fachlehrer bespricht. In einigen Ländern läuft der Ausbildungsunterricht bis zum Ende des Referendariats parallel zum eigenständigen Unterricht.

Im eigenständigen Unterricht hat der Referendar alle Aufgaben eines Lehrers, er erteilt den Unterricht alleine, entwirft Klassenarbeiten und Tests, gibt mündliche und schriftliche Noten und beantwortet an Elternabenden die Fragen der Erziehungsberechtigten. Das Pensum schwankt zwischen acht und siebzehn Stunden, in gleicher Höhe jeweils kommt der Ausbildungsunterricht hinzu.

Das Ausbildungspersonal umfasst ausgewählte Lehrer, die jeweils ein Fach betreuen (Fachseminarleiter) oder allgemein pädagogische und schulorganisatorische Betreuungsarbeit leisten (Hauptseminarleiter).

Lehreranwärter aller Schulformen halten während ihres Vorbereitungsdienstes eigenverantwortlichen Unterricht, hospitieren aber auch bei anderen Lehrkräften der Schule und werden in den meisten Bundesländern von einem Betreuungslehrer während des ersten Jahres unterstützt.
An Seminartagen werden Lehrbeispiele unter bestimmten Schwerpunkten analysiert oder theoretische Grundlagen für den Lehrerberuf gelegt (zum Beispiel Schulrecht und Staatsbürgerkunde).
Durch Beratungsbesuche der Seminarleiter während des Vorbereitungsdienstes sollen die jungen Lehrer eine Rückmeldung über ihre Leistung erhalten. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion soll in diesen Beratungsgesprächen gewonnen werden und in der Hausarbeit über Planung, Durchführung und Reflexion einer zwei- bis dreistündigen Examensreihe unter Beweis gestellt werden.

Der Abschluss des Vorbereitungsdienstes erfolgt mit der zweiten staatlichen Prüfung, dem Staatsexamen.

Das Staatsexamen besteht aus verschiedenen Prüfungsteilen, dem Ausbildungsunterricht selbst, der Examenshausarbeit, einem Prüfungsunterricht pro Unterrichtsfach und einer mündlichen Prüfung.
Die Examensnote wird also grundsätzlich aus fünf Teilen gebildet, außer der Referendar wird auch in einem Drittfach ausgebildet. Das Erste Staatsexamen geht nicht in die Note des Zweiten Staatsexamens ein. Bei einer Bewerbung auf eine Stelle wird die Bewerbernote aber aus beiden Examina gemittelt.

Bezüge der Lehramtsanwärter

Die Anwärterbezüge liegen ab 1.01.2014 je nach Eingangsamt in ganz Deutschland zwischen 1.222, 28 € (Besoldungsgruppe A 12, für  Grundschullehrer und Hauptschullehrer und Lehrer an den entsprechenden Jahrgangsstufen der Gesamtschulen) und 1.288,85 €  brutto (Besoldungsgruppe A 13, Zulage höherer Dienst,  für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen und Berufskollegs) zzgl. eines
Familienzuschlages bei Verheirateten;
Besoldungsgruppe A9-A16 von 123,46 € für Verheiratete  bis zu 1.321,40 € bei 5 Kindern.

Als Steuern werden bei dieses Beiträgen dann allerdings bei Ledigen auch nur circa 60 Euro einbehalten.
Als Beamte auf Widerruf haben Lehramtsanwärter für sich und ihre Angehörigen Anspruch auf Beihilfen in Krankheitsfällen, die einen Teil (50 % und in der Regel 70 % für Ehegatten und 80 % für Kinder) der Krankheitskosten abdecken. Der Rest kann mit einer privaten Krankenversicherung für Lehrer und Lehramtsanwärter abgedeckt werden.
Es kann anstelle der Beihilfe auch die Möglichkeit gewählt werden, sich freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse zu versichern. Diese trägt dann alle Kosten, allerdings entfällt der Beihilfeanspruch. Soweit Anwärter in einem privatrechtlichen Beschäftigungsverhältnis als Angestellte ausgebildet werden, gelten für sie die allgemeinen sozialversicherungsrechtlichen Regelungen.
Da die Referendare Beamte auf Widerruf sind, haben sie am Ende des Referendariats auch keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung beendet und damit auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Sie fallen sofort auf ALG II ab.

Kritik am Lehramtsreferendariat

Das Referendariat wird von denen, die es absolvieren oder absolviert haben, häufig kritisch gesehen. Einer der Hauptkritikpunkte ist die enorme Belastung, die das Referendariat für fast alle Referendare darzustellen scheint. Oft wird diskutiert, ob das Referendariat nicht von einem performativen Selbstwiderspruch geprägt sei: Der Referendar werde angeleitet, einen interessanten Unterricht zu gestalten, der angeblich vorwiegend durch intrinsische Motivation funktionieren könne und in dem für die Schüler möglichst eine angenehme Lernatmosphäre herrschen müsse; genau das werde ihm aber durch ein Ausbildungssystem vermittelt, in dem vorwiegend mit Notendruck gearbeitet werde und in dem – selten eingestandenermaßen – das Austesten der psychischen Belastbarkeit im Vordergrund stehe. Akzeptiert man diese Aussagen, so wiegen sie als Kritik schwer: Sie bedeuten letztlich, dass die ausbildenden Pädagogen anders lehren, als später in der Schule gelehrt werden soll, dass sie also in ihrem Bereich ihren eigenen Ansprüchen nicht genügen können oder wollen. Ein weiteres Problem ergebe sich für den Referendar dann, wenn er zwischen den meist nicht offen ausgesprochenen, aber oft gegensätzlichen Auffassungen der Fachleiter und der Ausbildungslehrer seinen eigenen Stil finden solle. Von einigen Studienseminaren wird wochenplanfüllender eigenständiger Unterricht wegen seines geringeren Lernpotentials kritisiert. Eingeführt wurde er vor allem deshalb, um Stellen bei den voll ausgebildeten Lehrern einzusparen und somit Kosten zu senken.

Bemerkenswert ist, dass weder für den Beruf des Lehrers noch des Juristen eine qualifizierte Evaluation des Referendariats vorliegt.

Krankenversicherung für Referendare

Anders als ein Arbeitnehmer erhält ein Referendar keinen Zuschuss zur Krankenversicherung. Dies liegt daran das ein Referendar beihilfeberechtigt ist.

Somit werden, gemäß Beihilfeverordnung des jeweiligen Bundeslandes zumindest 50% der Gesundheitskosten von dem Dienstherren als Versorgung in Form von Beihilfe getragen. Der Rest muss mittels eigener Krankenversicherung abgesichert werden. Diese Restkostenversicherung ist Pflicht.

Es besteht für Referendare zwar die Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung, jedoch ist die private Krankenversicherung in den meisten Fällen aus wirtschaftlicher Sicht kostengünstiger und zudem mit besserer Leistung versehen.
Grund hierfür ist das die gesetzliche Krankenversicherung keine anteilige Versicherung bietet sondern nur den 100% Schutz. Das bedeutet aber dann dass der Referendar auf die Zuwendung des Dienstherren verzichtet und die Beiträge zur gesetzlichen Kasse in vollem Umfang allein tragen muss. Inklusive Pflegeversicherung kommt man so auf 180,00 bis 200,00 Euro, während die privaten Versicherungen zwischen etwa 60,00 und 120,00 Euro erheben, je nach Eintrittsalter.

Wichtig ist das die Gewährung der Anwärtertarife nur bis zu bestimmten Altersgrenzen erfolgen. Dies ist in aller Regel das 34. Lebensjahr, allerdings gibt es auch Anbieter die das 36. oder 38. Lebensjahr als Grenze festgelegt haben.

Auch der Vergleich von Beitrag und Leistung macht Sinn, denn zwischen den ca. 50 privaten Anbietern besteht ein oft großer Leistungsunterschied. Generell gilt das jeder Vertrag individuell verglichen werden sollte. Empfehlungen von Kollegen und Kommilitonen sind zwar gut gemeint, helfen aber nur wenig und stellen bestenfalls Indizien dar.

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GKV oder PKV für Referendare?

Berufsgruppen mit Referendariat:

Lehramtsreferendare und Rechtsreferendare stellen die größten Berufsgruppen mit Referendariat dar.

Personen, die ein naturwissenschaftliches oder Ingenieurstudium abgeschlossen haben, bereiten sich als technische Referendare auf ihren höheren Dienst vor. Allerdings ist diese Berufsgruppe deutlich kleiner, der größte Anteil wird von den Baureferendaren ausgemacht. Die Prüfung der Laufbahn findet bei den technischen Referendaren unabhängig vom Land beim Oberprüfungsamt für den höheren technischen Verwaltungsdienst statt. Eine Ausnahme davon bilden Baden-Württemberg und Bayern, die nicht auf die zentrale Prüfungsstelle zurückgreifen.

Des Weiteren sind für die folgenden Referendare regelmäßige Laufbahnprüfungen vorgesehen:
Bibliotheksreferendar, Brandreferendar, Forstreferendar, Veterinärreferendar

Weitere Informationen zum Referendariat finden sich in den jeweiligen Kategorien unter Vorbereitungsdienst.

Schutz der Referendarbezeichnung

Nur wer öffentlich-rechtlich zugelassen ist, darf sich als „Referendar“ bezeichnen. Wer keine Zulassung besitzt, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, die bis zu einem Jahr Freiheitsentzug sowie eine hohe Geldbuße mit sich bringen können.
In Baden-Württemberg und Sachsen beispielsweise wird der Titel „Rechtsreferendar“ mit dem Bestehen des ersten juristischen Staatsexamens verliehen. In Hessen erfolgt die Verleihung mit der Aushändigung des Zeugnisses. In diesen Ländern muss der Referendar zum Führen des Titels nicht zwangsweise eine Einstellung in den Vorbereitungsdienst vorweisen.

Beendigung des Referendariats

Sobald das zweite Staatsexamen erfolgreich bestanden ist, entfällt der Titel „Referendar“. Ab diesem Zeitpunkt darf sich die Person als „Assessor“ bezeichnen. Im Regelfall enthält dieser Titel einen laufbahnspezifischen Zusatz, beispielsweise der Rechtsassessor.
Das Bestehen des zweiten Staatsexamens kann als Laufbahnprüfung betrachtet werden, da das Führen der Bezeichnung „Assessor“ als Voraussetzung gilt, um sich für das Beamtenverhältnis auf Probe zu bewerben.

Weitere Informationen zum Beamten auf Probe sind hier zu finden.

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