Lehramtsreferendariat

Informationen zum Lehramtsreferendariat

Im Bereich der Lehramtsausbildung/Lehrerausbildung tragen die Anwärter in den meisten deutschen Bundesländern die Dienstbezeichnung „Studienreferendar“, sofern sie im Vorbereitungsdienst für den höheren Dienst (Lehramt an Gymnasien, beruflichen Schulen , Sonderschulen) vorbereitet werden.

Anwärter für den gehobenen Dienst tragen die Bezeichnung „Lehramtsanwärter“ (LAA) oder „Lehreranwärter“, meist mit einem Zusatz der Schulrichtung (zum Beispiel Realschullehreranwärter, Grundschulllehreranwärter oder  Hauptschullehreranwärter).

Das Referendariat, bzw. der Vorbereitungsdienst ist der zweite Teil der Ausbildung zum Lehrer.

Die sogenannte „Erste Phase“ findet an Universitäten
(nur noch in Baden-Württemberg teilweise auch
Pädagogischen Hochschulen) statt

Während die erste Phase zum Ziel hat, die wissenschaftlichen Grundlagen – und zwar sowohl in den Fächern als auch in den Berufswissenschaften, vor allem Erziehungswissenschaft – für professionelles Lehrerhandeln zu schaffen, richtet sich die Zweite Phase auf das praktische Lehrerhandeln auf wissenschaftlicher Grundlage.

Das Ausbildungsziel ist das Erlangen der Fertigkeiten, die ein Lehrer braucht. Der Referendar soll unter anderem Stressbewältigungsfähigkeit zeigen, Planungskompetenz in Bezug sowohl auf seine Ausbildung sowie auf seinen eigenverantwortlichen Unterricht und natürlich eine solide Unterrichtsplanung vorweisen.
An dieser letzten Fähigkeit werden durch die Examenslehrproben (auch Prüfungsunterrichte genannt) und durch die Ausbildungsnote (Vornote) die Leistungen direkt gemessen, denn von der Planung und damit verbundenen Durchführung von Unterricht hängt ab, ob und wie gut die Schüler etwas gelernt haben.
Daher muss der Referendar sich sowohl im Bereich der jeweiligen Fachdidaktik – normalerweise für zwei Fächer – und in der Pädagogik beweisen, hat also üblicherweise einen Ausbilder und eine Seminarveranstaltung in jedem Bereich, insgesamt daher drei (Pädagogischer Betreuer, Ausbilder Fach 1, Ausbilder Fach 2).

Dauer des Referendariat – Lehramt

Das Referendariat dauert für den höheren Dienst in der Regel zwei Jahre ausgenommen in
Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen.

In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen  dauert das Referendariat für Bewerber, die im Studium eine vom jeweiligen Bundesland festgelegte Anzahl von Praktikumswochen absolviert haben, nur 18 Monate.
In Nordrhein-Westfalen und Hamburg dauert es in der Regel 18 Monate.
Teilweise sind Verkürzungen des Ausbildungszeitraums unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
Die Referendare unterrichten, in den Bundesländern unterschiedlich geregelt, selbstständig bis zum Umfang etwa eines halben Lehrauftrages und absolvieren zusätzlich verschiedene Seminarveranstaltungen, in denen didaktische und pädagogische Kompetenzen erworben werden sollen.
Die Einteilung ist grundsätzlich Hospitation, Ausbildungsunterricht, eigenständiger Unterricht.

Nach einer unterschiedlich langen Hospitationsphase – zwei Monate (Niedersachsen) bis sechs Monate (Baden-Württemberg) – unterrichten die Referendare eigenständig, bezeichnet als „eigenständiger“ oder „bedarfsdeckender Unterricht“.
Lehrer, die an Pädagogischen Hochschulen ausgebildet wurden, unterrichten in manchen Bundesländern von Anfang an selbständig, da sie bereits während des Studiums einen hohen schulpraktischen Anteil hatten.

Meistens werden in den Seminaren verschiedene sog. „Bausteine“, die sich aus unterschiedlichen pädagogischen Themen zusammensetzen, erarbeitet bzw. besprochen. Solche Bausteine können beispielsweise Medienkompetenz oder Handlungsorientierung sein. Ferner werden fachspezifische didaktische Fähigkeiten geschult, zum Beispiel die Planung von Experimenten und Übungen.

In der nächsten Phase folgt Ausbildungsunterricht, bei dem der Referendar bei Anwesenheit des Fachlehrers seine Stunden erteilt und diese – im Idealfall – vor und nach der Stunde mit dem Fachlehrer bespricht. In einigen Ländern läuft der Ausbildungsunterricht bis zum Ende des Referendariats parallel zum eigenständigen Unterricht.

Im eigenständigen Unterricht hat der Referendar alle Aufgaben eines Lehrers, er erteilt den Unterricht alleine, entwirft Klassenarbeiten und Tests, gibt mündliche und schriftliche Noten und beantwortet an Elternabenden die Fragen der Erziehungsberechtigten. Das Pensum schwankt zwischen acht und siebzehn Stunden, in gleicher Höhe jeweils kommt der Ausbildungsunterricht hinzu.

Das Ausbildungspersonal umfasst ausgewählte Lehrer, die jeweils ein Fach betreuen (Fachseminarleiter) oder allgemein pädagogische und schulorganisatorische Betreuungsarbeit leisten (Hauptseminarleiter).

Lehreranwärter aller Schulformen halten während ihres Vorbereitungsdienstes eigenverantwortlichen Unterricht, hospitieren aber auch bei anderen Lehrkräften der Schule und werden in den meisten Bundesländern von einem Betreuungslehrer während des ersten Jahres unterstützt.
An Seminartagen werden Lehrbeispiele unter bestimmten Schwerpunkten analysiert oder theoretische Grundlagen für den Lehrerberuf gelegt (zum Beispiel Schulrecht und Staatsbürgerkunde).
Durch Beratungsbesuche der Seminarleiter während des Vorbereitungsdienstes sollen die jungen Lehrer eine Rückmeldung über ihre Leistung erhalten. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion soll in diesen Beratungsgesprächen gewonnen werden und in der Hausarbeit über Planung, Durchführung und Reflexion einer zwei- bis dreistündigen Examensreihe unter Beweis gestellt werden.

Der Abschluss des Vorbereitungsdienstes erfolgt mit der zweiten staatlichen Prüfung, dem Staatsexamen.

Das Staatsexamen besteht aus verschiedenen Prüfungsteilen, dem Ausbildungsunterricht selbst, der Examenshausarbeit, einem Prüfungsunterricht pro Unterrichtsfach und einer mündlichen Prüfung.
Die Examensnote wird also grundsätzlich aus fünf Teilen gebildet, außer der Referendar wird auch in einem Drittfach ausgebildet. Das Erste Staatsexamen geht nicht in die Note des Zweiten Staatsexamens ein. Bei einer Bewerbung auf eine Stelle wird die Bewerbernote aber aus beiden Examina gemittelt.

Bezüge der Lehramtsanwärter

Die Anwärterbezüge liegen ab 1.01.2014 je nach Eingangsamt in ganz Deutschland zwischen 1.222, 28 € (Besoldungsgruppe A 12, für  Grundschullehrer und Hauptschullehrer und Lehrer an den entsprechenden Jahrgangsstufen der Gesamtschulen) und 1.288,85 €  brutto (Besoldungsgruppe A 13, Zulage höherer Dienst,  für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen und Berufskollegs) zzgl. eines
Familienzuschlages bei Verheirateten;
Besoldungsgruppe A9-A16 von 123,46 € für Verheiratete  bis zu 1.321,40 € bei 5 Kindern.

Als Steuern werden bei dieses Beiträgen dann allerdings bei Ledigen auch nur circa 60 Euro einbehalten.
Als Beamte auf Widerruf haben Lehramtsanwärter für sich und ihre Angehörigen Anspruch auf Beihilfen in Krankheitsfällen, die einen Teil (50 % und in der Regel 70 % für Ehegatten und 80 % für Kinder) der Krankheitskosten abdecken. Der Rest kann mit einer privaten Krankenversicherung für Lehrer und Lehramtsanwärter abgedeckt werden.
Es kann anstelle der Beihilfe auch die Möglichkeit gewählt werden, sich freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse zu versichern. Diese trägt dann alle Kosten, allerdings entfällt der Beihilfeanspruch. Soweit Anwärter in einem privatrechtlichen Beschäftigungsverhältnis als Angestellte ausgebildet werden, gelten für sie die allgemeinen sozialversicherungsrechtlichen Regelungen.
Da die Referendare Beamte auf Widerruf sind, haben sie am Ende des Referendariats auch keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung beendet und damit auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Sie fallen sofort auf ALG II ab.

Kritik am Lehramtsreferendariat

Das Referendariat wird von denen, die es absolvieren oder absolviert haben, häufig kritisch gesehen. Einer der Hauptkritikpunkte ist die enorme Belastung, die das Referendariat für fast alle Referendare darzustellen scheint. Oft wird diskutiert, ob das Referendariat nicht von einem performativen Selbstwiderspruch geprägt sei: Der Referendar werde angeleitet, einen interessanten Unterricht zu gestalten, der angeblich vorwiegend durch intrinsische Motivation funktionieren könne und in dem für die Schüler möglichst eine angenehme Lernatmosphäre herrschen müsse; genau das werde ihm aber durch ein Ausbildungssystem vermittelt, in dem vorwiegend mit Notendruck gearbeitet werde und in dem – selten eingestandenermaßen – das Austesten der psychischen Belastbarkeit im Vordergrund stehe. Akzeptiert man diese Aussagen, so wiegen sie als Kritik schwer: Sie bedeuten letztlich, dass die ausbildenden Pädagogen anders lehren, als später in der Schule gelehrt werden soll, dass sie also in ihrem Bereich ihren eigenen Ansprüchen nicht genügen können oder wollen. Ein weiteres Problem ergebe sich für den Referendar dann, wenn er zwischen den meist nicht offen ausgesprochenen, aber oft gegensätzlichen Auffassungen der Fachleiter und der Ausbildungslehrer seinen eigenen Stil finden solle. Von einigen Studienseminaren wird wochenplanfüllender eigenständiger Unterricht wegen seines geringeren Lernpotentials kritisiert. Eingeführt wurde er vor allem deshalb, um Stellen bei den voll ausgebildeten Lehrern einzusparen und somit Kosten zu senken.

Bemerkenswert ist, dass weder für den Beruf des Lehrers noch des Juristen eine qualifizierte Evaluation des Referendariats vorliegt.

Ursprung des Referendariats

Historisch lässt sich das Referendariat (Referendar: der, der aus – vorhandenen – Akten „referiert“) aus den preußischen Reformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts ableiten, und zwar vor allem als Reaktion des Staates auf die Neugründung der Universitäten durch Humboldt, der diesen Einrichtungen erstmals das Wissenschaftsprivileg zugestand. Damit waren die Universitäten in Forschung und Lehre frei und keiner staatlichen Reglementierung unterworfen. Es handelte sich bei dem Referendariat (ursprünglich nur für Juristen, und nur ein Jahr) um eine Einrichtung des Staates, für eine staatliche Eignung zu sorgen, in der Gesinnung wie in der Leistung. Folgerichtig ist das Referendariat im Kern bis heute keine reine Berufseingangsphase (auch wenn es solche Elemente geben mag), sondern eine dem unmittelbaren Zugriff der Staatsverwaltung unterworfene Institution im Gegensatz zur freien Lehre der Universität. Die oben aufgeführte Kritik führt genau hierauf den Widerspruch zwischen eigenständigem Unterrichten und Übernehmen der Ausbilderhinweise zurück.

Quelle: Wikipedia

Krankenversicherung für Referendare

Anders als ein Arbeitnehmer erhält ein Referendar keinen Zuschuss zur Krankenversicherung. Dies liegt daran das ein Referendar beihilfeberechtigt ist.

Somit werden, gemäß Beihilfeverordnung des jeweiligen Bundeslandes zumindest 50% der Gesundheitskosten von dem Dienstherren als Versorgung in Form von Beihilfe getragen. Der Rest muss mittels eigener Krankenversicherung abgesichert werden. Diese Restkostenversicherung ist Pflicht.

Es besteht für Referendare zwar die Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung, jedoch ist die private Krankenversicherung in den meisten Fällen aus wirtschaftlicher Sicht kostengünstiger und zudem mit besserer Leistung versehen.
Grund hierfür ist das die gesetzliche Krankenversicherung keine anteilige Versicherung bietet sondern nur den 100% Schutz. Das bedeutet aber dann dass der Referendar auf die Zuwendung des Dienstherren verzichtet und die Beiträge zur gesetzlichen Kasse in vollem Umfang allein tragen muss. Inklusive Pflegeversicherung kommt man so auf 180,00 bis 200,00 Euro, während die privaten Versicherungen zwischen etwa 60,00 und 120,00 Euro erheben, je nach Eintrittsalter.

Wichtig ist das die Gewährung der Anwärtertarife nur bis zu bestimmten Altersgrenzen erfolgen. Dies ist in aller Regel das 34. Lebensjahr, allerdings gibt es auch Anbieter die das 36. oder 38. Lebensjahr als Grenze festgelegt haben.

Auch der Vergleich von Beitrag und Leistung macht Sinn, denn zwischen den ca. 50 privaten Anbietern besteht ein oft großer Leistungsunterschied. Generell gilt das jeder Vertrag individuell verglichen werden sollte. Empfehlungen von Kollegen und Kommilitonen sind zwar gut gemeint, helfen aber nur wenig und stellen bestenfalls Indizien dar.

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3 Kommentare An "Lehramtsreferendariat"

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Silke Reeves
Gast

Ich fange diesen September das Referendariat an. Werde Mitte Sept 42 Jahre alt. Bin ledig. Lehramt Realschule. Wie hoch wären da die Beiträge in einer PKV? In meinem Alter gelten ja die Anwärtertarife nicht mehr, oder? Ich frage mich, ob es dann für mich nicht günstiger ist, in der GKV zu bleiben. 2. Frage: Wieviel wäre ein DU-Versicherung? Vielen Dank!

Wielander Susanne
Gast

Ich bin 26 Jahre, habe die Prüfungen zum Grundschullehramt absolviert. War wegen Prüfungsstress 2 mal an Tinnitus erkrankt,was wurde mit Medikamenten und Akupunktur behandelt wurde.
-Ist eine Verbeamtung überhaupt möglich?
-Muss ich die Erkrankungen angeben?