Fotokopieren an Schulen – Urheberrecht

1. April 2019

Stand: Oktober 2026 – Geprüft und aktualisiert

Schnell vor der ersten Stunde noch ein paar Seiten aus dem neuen Arbeitsheft auf den Kopierer legen oder ein Kapitel aus dem Fachbuch für den Leistungskurs vervielfältigen: Im Schulalltag gehört das Kopieren nach wie vor zum täglich Brot. Doch was ist Lehrkräften und Referendaren beim Fotokopieren an Schulen nach dem Urheberrecht heute eigentlich erlaubt – und wo beginnt der teure Urheberrechtsverstoß?

Wir haben unseren Ratgeber auf den aktuellen Stand 2026 gebracht und zeigen Ihnen kompakt, welche gesetzlichen Regeln nach § 60a UrhG am Schulkopierer (und beim Einscannen von Buchseiten) gelten.

Wichtige Erstfragen: Fotokopieren an Schulen & Urheberrecht

1. Wie viel Prozent darf ich aus einem Schulbuch oder Arbeitsheft kopieren?

Nach § 60a UrhG sowie dem Gesamtvertrag der Bundesländer mit den Verwertungsgesellschaften gilt die 15-Prozent-Regel: Lehrkräfte dürfen für ihren eigenen Unterricht bis zu 15 % eines Werkes (jedoch maximal 20 Seiten) pro Schuljahr und Schulklasse kopieren oder einscannen. Ein komplettes Schulbuch oder ein ganzes Arbeitsheft zu kopieren, um den Kauf im Klassensatz zu sparen, ist streng verboten!

2. Darf ich Kopien auch einscannen und auf das Smartboard oder in die Schulcloud stellen?

Ja! Rechtlich macht das Urheberrecht heute keinen Unterschied mehr zwischen einer klassischen Papierkopie am Kopierer und einer digitalen Kopie (Scan oder Foto per Smartphone/Tablet). Innerhalb der 15-%-Grenze dürfen Sie die Seiten auch einscannen, an der digitalen Tafel zeigen oder passwortgeschützt (nur für die jeweilige Schulklasse!) in der Schulcloud (z. B. Moodle, IServ, Logineo, Mebis) bereitstellen.

3. Wer haftet bei schweren Urheberrechtsverstößen in der Schule?

Handelt eine Lehrkraft oder ein Referendar im Rahmen des Dienstes leicht fahrlässig, greift im Außenverhältnis zunächst meist die Amtshaftung des Dienstherrn. Bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz (z. B. wenn ganze Arbeitshefte trotz bekannter Verbote komplett für die Klasse kopiert oder geschützte Werke öffentlich auf die Schulhomepage gestellt werden) kann der Dienstherr die Lehrkraft jedoch in Regress nehmen!

1. Die Grundregel 2026: Maximal 15 Prozent (und höchstens 20 Seiten)

Für den Unterrichtsgebrauch an Schulen regelt § 60a des Urheberrechtsgesetzes (UrhG) in Verbindung mit dem Länder-Gesamtvertrag („Schulbuchvertrag“) sehr genau, wie viel Sie ohne Einzelgenehmigung des Verlags vervielfältigen dürfen. Entscheidend ist dabei immer der Umfang des Originalwerkes:

Art des Werkes / MediumErlaubter Kopierumfang (pro Schulklasse & Schuljahr)Wichtige Besonderheit
Schulbücher, Arbeitshefte (Workbooks) & FachbücherMaximal 15 % des Werkes, jedoch höchstens 20 SeitenAuch Werke, die erst nach 2005 erschienen sind, dürfen bis zu 15 % kopiert werden – aber niemals vollständig!
Kleine Druckwerke (Gedichte, Kurzgeschichten, Broschüren)Zu 100 % erlaubt, wenn das Gesamtwerk maximal 25 Seiten umfasstIdeal für Lektüre-Auszüge, Kurzgeschichten oder dünne Themenhefte bis 25 Seiten.
Zeitungs- & Zeitschriftenartikel100 % eines einzelnen Artikels erlaubtSie dürfen einzelne Beiträge komplett kopieren (jedoch nicht das gesamte Zeitschriftenheft).
Musiknoten (Noteneditionen)Zu 100 % erlaubt, wenn das Notenwerk maximal 6 Seiten hat (sonst max. 15 %)Strenge Kontrolle bei Schulkonzerten und Chören (VG Musikedition).
Bilder, Fotos, Abbildungen & GrafikenZu 100 % für den Unterricht erlaubtZwingend auf korrekte Quellen-/Urheberangabe unter dem Bild achten!

2. Vorsicht bei den 3 häufigsten Fallen im Schulalltag!

Auch wenn die 15-%-Regel vieles erleichtert, tappen Lehrkräfte und Lehramtsanwärter in der Praxis immer wieder in diese drei rechtlichen Fallen:

  1. Kein systematischer Ersatz für den Klassensatz: Sie dürfen ein Schulbuch oder Arbeitsheft niemals systematisch über mehrere Kollegen, Halbjahre oder Accounts hinweg stückweise kopieren (z. B. Kollege A kopiert Seite 1–15, Kollege B kopiert Seite 16–30), um die Anschaffung des Buches für die Klasse zu umgehen.
  2. Eigenmächtiges Verändern von Werkteilen (§ 62 UrhG): Das Urheberrecht enthält ein grundsätzliches Änderungsverbot. Wenn Sie Texte oder Grafiken aus Schulbüchern ausschneiden und auf eigenen Arbeitsblättern neu montieren, darf der Sinn des Originals nicht entstellt werden, und das Originalzitat muss klar erkennbar bleiben.
  3. Pflicht zur Quellenangabe (§ 63 UrhG): Jede Kopie – egal ob auf Papier oder digital – benötigt eine deutliche Quellenangabe. Notieren Sie auf selbst zusammengestellten Arbeitsblättern immer: Autor/Urheber, Buchtitel, Verlag, Erscheinungsjahr und Seitenzahl. Gerade bei Unterrichtsbesuchen im Referendariat ist eine fehlende Quellenangabe ein häufiger Kritikpunkt!

3. Papierkopie, Scan & Schulcloud: Wer darf die Kopien sehen?

Die gesetzliche Erlaubnis nach § 60a UrhG gilt ausschließlich zur Veranschaulichung des Unterrichts für einen streng abgegrenzten Personenkreis:

  • Im Unterricht & in geschützten Lernplattformen erlaubt: Sie dürfen die Kopien im Klassenzimmer austeilen, am Smartboard zeigen und in einen passwortgeschützten Kursraum Ihrer Schule (z. B. IServ, Moodle, Logineo, Mebis) hochladen, auf den ausschließlich die Schülerinnen und Schüler Ihres Kurses (sowie deren Eltern zur Lernbegleitung) Zugriff haben. Auch der Austausch zur Unterrichtsvorbereitung innerhalb Ihres Lehrerkollegiums an derselben Schule ist zulässig.
  • Im offenen Internet streng verboten: Kopierte Schulbuchseiten oder Arbeitsblätter mit fremden Verlagsinhalten dürfen niemals frei zugänglich auf die öffentliche Schul-Homepage gestellt, in offenen WhatsApp-/Telegram-Gruppen ohne Zugriffsschutz verbreitet oder auf öffentlichen Lehrer-Tauschbörsen hochgeladen werden!

Ausblick: Was gilt bei Downloads, Streaming, YouTube & Künstlicher Intelligenz (KI)?

Das klassische Fotokopieren aus Schulbüchern und Arbeitsheften ist heute natürlich längst nicht mehr die einzige urheberrechtliche Stolperfalle in der Schule. Beim Herunterladen von Materialien aus dem Internet, beim Streamen von Filmen und YouTube-Videos im Klassenzimmer sowie beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI-Tools für Texte, Bilder und Arbeitsblätter) müssen tausende weitere Urheber-, Lizenz- und Datenschutzregeln beachtet werden. Da dieses Thema den Rahmen des klassischen Kopier-Ratgebers sprengt, bereiten wir diese modernen Digital- und KI-Regeln aktuell in einem eigenen Spezial-Beitrag für Sie auf!

4. Warum Lehrkräfte & Referendare an ihren eigenen Schutz denken sollten

Ob Urheberrechtsfragen, verlorene Schulschlüssel, beschädigte Smartboards oder die Absicherung der eigenen Arbeitskraft: Als angehende oder aktive Lehrkraft tragen Sie im Schulalltag eine hohe persönliche Verantwortung. Prüfen Sie daher rechtzeitig zum Start ins Referendariat oder zur Verbeamtung auf Probe nicht nur Ihre Amts- und Diensthaftpflichtversicherung, sondern vor allem Ihre Private Krankenversicherung (PKV) und Dienstunfähigkeitsversicherung.

Für Referendare & Lehrkräfte

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